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Niels C. Fleischhauer (M.A.)

Als Assistenzarzt überfordert: wie Sie Stress in Stärken umwandeln

Eine Facharztweiterbildung dauert lange – für manche Mediziner quälend lange; denn gerade junge Assistenzärzte leiden in Krankenhäusern oft unter Stress und Überlastung. Gehören Sie auch dazu? Dann sollten Sie unbedingt diesen Artikel lesen.

Dr. Mark Weinert weiß als Anästhesist und Kommunikationstrainer, wie Sie als überforderter Assistenzarzt Stress in Stärken umwandeln können. Er gibt konkrete Tipps, was Sie gegen die Überforderung unternehmen und wie Sie ihr sogar vorbeugen können. Nicht zuletzt erfahren Sie in diesem Beitrag, wer Sie dabei unterstützt, eine weniger belastende Arztstelle zu finden.

Coaching für Ärzte

Foto von Niels C. Fleischhauer

Weniger Arbeitsstunden, höhere Arbeitsverdichtung

Der Schritt vom Medizinstudenten zum Assistenzarzt ist womöglich der größte in der gesamten Karriere eines Mediziners. Bereitschaftsdienste und Warteschlangen von Patienten treffen auf die Angst als Assistenzarzt vor dem ersten Nachtdienst und der Übernahme von Verantwortung. Während der ersten Wochen wird man als Assistenzarzt gewissermaßen ins kalte Wasser geworfen. Vor diesem Hintergrund ist es nur allzu verständlich, wenn Sie als Assistenzarzt überfordert sind.

Medizin war und ist ein Fach, in dem schon immer viel gearbeitet wurde”, stellt Anästhesist Dr. Weinert fest. Die Überforderung von Assistenzärzten auf die hohe Zahl an Wochenstunden zurückzuführen, lehnt er dagegen ab. Vielmehr habe die Menge geleisteter Arbeitsstunden in den letzten 20 Jahren sogar abgenommen. Gleiches gelte für 36- und 24-Stunden-Dienste, welche mittlerweile selten seien. “Was hingegen zugenommen hat, ist die Arbeitsverdichtung”, gibt er zu bedenken. Klinikleitungen erwarten von ihren Assistenzärzten, mehr Patienten und einen höheren Verwaltungsaufwand in kürzerer Zeit zu bewältigen.

Kostendruck zulasten von Assistenzärzten

Als Hauptursache für die Überforderung von Assistenzärzten sieht Herr Dr. Weinert Kosteneinsparungen seitens der Kliniken: “Der teuerste Faktor in einem Krankenhaus sind nicht das Material oder Geräte, sondern die Menschen. Wenn der Geschäftsführer als wirtschaftlich Verantwortlicher Personalkosten sparen kann, hilft ihm das, sein Krankenhaus rentabler zu gestalten.” In Kombinationen mit dem Ärztemangel führe dies zur geschilderten ärztlichen Überlastung.

Erschwert wird die Lage vieler Assistenzärzte durch ein gelerntes Selbstverständnis: Als Mediziner müsse man viel arbeiten. Das sei schon immer so gewesen und werde auch zukünftig so sein. Den meisten Betroffenen ist dabei nicht bewusst, dass es den Kollegen oftmals nicht anders geht als ihnen selbst. Nur sprechen, geschweige denn klagen möchte am liebsten keiner darüber.

Hinzu kommt, dass immer mehr Ärzte in Teilzeit arbeiten wollen. Insbesondere weibliche Mediziner, welche mittlerweile das Gros der Assistenzärzte ausmachen, legen großen Wert auf eine Work-Life-Balance. Doch auch männliche Ärzte treten aus Gründen der Überlastung und Überforderung zunehmend die Flucht aus den Kliniken an – ein Teufelskreis, da die Arbeit nun auf noch weniger Schultern verteilt wird.

Sich selbst die Sauerstoffmaske zuerst aufsetzen – und durchatmen

Das wirksamste Mittel gegen Überforderung und übermäßigen Stress von Assistenzärzten im Krankenhaus heißt Vorbeugung. Herr Dr. Weinert rät dazu, medizinische Handlungen so gut es geht vorzubereiten und dabei planvoll vorzugehen. Er berichtet aus seinem Erfahrungsschatz als Anästhesist: “Wenn ich eine Spinalanästhesie stechen will, dann verwende ich genügend Zeit für die optimale Positionierung des Patienten. So ist die Durchführung des Verfahrens wesentlich einfacher und schneller, als wenn ich mir diese Zeit nicht nehmen würde.” Somit senken Sie nicht nur Ihr Stressniveau in der entscheidenden Situation, sondern verbessern sogar medizinische Prozesse. Anders ausgedrückt wandeln Sie eine mögliche Schwäche in eine Stärke um.

Doch selbst die beste Vorbereitung von Assistenzärzten wird immer Raum für unvorhergesehene Situationen und damit Stress lassen. Sollten Sie sich in einer akuten Lage der Überforderung befinden, so empfiehlt Ihnen Kommunikationstrainer Weinert dringend, eine Art Mini-Pause einzulegen: “zehn Sekunden, eine Stunde oder auch ein Tag, wenn man spürt, dass das notwendig ist.

Viele Ärzte meinen, Sie hätten keine Zeit für kurze Auszeiten, oder fürchten gar um die zwischenzeitliche Gesundheit ihrer Patienten. Anästhesist Dr. Weinert kennt diese Ängste von Assistenzärzten aus eigener Erfahrung: “Es ist in der Medizin ein weitverbreitetes Phänomen, dass man die Bedürfnisse von Patienten über die eigenen Bedürfnisse stellt. Das geht kurzfristig, führt aber langfristig bei Assistenzärzten zum Burn-out, zu Fehlern und teilweise zu Katastrophen” Doch es gebe einen klugen Ausweg aus diesem Dilemma: “Jeder, der schon mal geflogen ist, hat diese Karten gesehen, die vorne im Sitz stecken und auf denen steht: ‘im Notfall zuerst die eigene Sauerstoffmaske aufsetzen, bevor Sie Mitreisenden helfen.’ Wenn es mir nicht gut geht, kann ich auch keinem anderen helfen.

Assistenzärzte sollten sich also aus der Rolle ihrer maximalen Opferbereitschaft befreien. Das ist letztendlich in ihrem eigenen Sinne und im Sinne ihrer Patienten. “Ich bin seit über 20 Jahren Anästhesist. Ich bin gerne Anästhesist. Ich kann meinen Beruf gesund ausüben, weil ich darauf achte, dass es mir gut geht. Das ist gut für mich, meine Patienten und meine Kollegen”, stellt Herr Dr. Weinert klar. 

Unterstützung für überforderte Assistenzärzte

Die Überforderung von Assistenzärzten ist leider mehr Normalität denn Einzelfall. Doch das bedeutet nicht, dass Sie sich Ihrem Schicksal ergeben müssen. Vielmehr haben Sie soeben erfahren, dass Sie auch als Assistenzarzt sehr wohl Ihr Glück in der Hand haben. Sie können sogar Ihren Stress in Stärken umwandeln.

Machen Sie sich zudem klar, dass Sie oftmals nur den falschen Job haben. Ob Reha-Einrichtung, Tagesklinik oder Telemedizin – es existieren viele Jobs außerhalb der großen Kliniken, welche Medizinern das richtige Maß zwischen Über- und Unterforderung bieten. Entgegen der landläufigen Meinung gibt es nämlich durchaus große Unterschiede zwischen den Arbeitsbedingungen für Ärzte in Krankenhäusern. Wir zeigen Ihnen gerne medizinische Arbeitgeber, welche mit hohen Zufriedenheitswerten ihrer Ärzte überzeugen können. Zudem können Sie beim Ärzteglück-Coachings gemeinsam mit einer spezialisierten Kollegin herausfinden, welches Berufsfeld genau das richtige für Sie ist. Sichern Sie sich am besten noch heute einen der wenigen freien Termine. Wir wollen, dass Sie Ihren Arztberuf lieben.

Porträt von Dr. Mark Weinert
Dr. Mark Weinert ist Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin. Er verfügt über 20 Jahre Berufserfahrung im Krankenhaus. Heute setzt er sich als Ärzte-Coach und Kommunikationstrainer gegen die Überforderung von Assistenzärzten ein. Weitere Informationen finden Sie auf www.drweinert.com.

FAQ – häufigste Fragen und Antworten

  1. Warum fühlen sich viele Assistenzärzte überfordert?

    Die Überforderung entsteht meist nicht durch die reine Arbeitszeit, sondern durch die hohe Arbeitsverdichtung. Mehr Patienten, mehr Dokumentation und mehr Verantwortung in kürzerer Zeit erhöhen den Druck erheblich.

  2. Ist Überforderung als Assistenzarzt normal?

    Leider ja, viele junge Ärzte erleben gerade zu Beginn ihrer Weiterbildung eine Phase der Überforderung. Der Übergang vom Studium in die klinische Verantwortung ist besonders anspruchsvoll.

  3. Welche Rolle spielt der Personalmangel im Krankenhaus?

    Personalmangel verstärkt die Belastung deutlich, da Aufgaben auf weniger Schultern verteilt werden. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Effizienz und Leistung.

  4. Was kann ich konkret gegen akuten Stress im Klinikalltag tun?

    Kurze bewusste Pausen helfen, die Situation zu stabilisieren. Schon wenige Sekunden Abstand können dazu beitragen, klarer zu denken und bessere Entscheidungen zu treffen.

  5. Wie kann ich Stress langfristig reduzieren?

    Eine gute Vorbereitung auf medizinische Abläufe senkt den Druck erheblich. Wer strukturiert arbeitet, vermeidet unnötige Fehler und spart Zeit in kritischen Situationen.

  6. Warum ist Selbstfürsorge für Assistenzärzte so wichtig?

    Wenn Sie dauerhaft Ihre eigenen Bedürfnisse ignorieren, riskieren Sie Erschöpfung, Fehler und gesundheitliche Probleme. Nur wer stabil ist, kann dauerhaft gute medizinische Arbeit leisten.

  7. Wie kann ich Stress in eine Stärke umwandeln?

    Indem Sie Stress als Signal nutzen, um Abläufe zu optimieren und sich besser zu organisieren. Mit zunehmender Erfahrung entwickeln sich daraus Sicherheit und Handlungskompetenz.

  8. Wann sollte ich über einen Stellenwechsel nachdenken?

    Wenn die Belastung dauerhaft zu hoch ist und sich trotz eigener Maßnahmen nichts verbessert. Arbeitsbedingungen unterscheiden sich stark zwischen Kliniken und Einrichtungen.

  9. Gibt es Alternativen zur klassischen Klinikarbeit?

    Ja, beispielsweise Reha-Einrichtungen, Tageskliniken oder telemedizinische Tätigkeiten. Diese bieten oft ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Belastung und Arbeitszeit.

  10. Wie finde ich heraus, welcher Job besser zu mir passt?

    Eine ehrliche Analyse der eigenen Bedürfnisse, Belastungsgrenzen und Ziele ist entscheidend. Darauf aufbauend lässt sich gezielt nach passenden Arbeitsmodellen suchen.

  11. Woher stammen die Informationen und Erfahrungswerte in diesem Beitrag?

    Neben den im Text genannten Inhalten stammen die praktischen Einschätzungen von Dr. Mark Weinert, der als Facharzt für Anästhesie sowie Kommunikationstrainer seit vielen Jahren mit überforderten Assistenzärzten arbeitet. Die Einordnungen zum Thema Karriere kommen von Niels C. Fleischhauer, dem Inhaber von Ärzteglück. Er hat als Coach mehr als 1.000 Ärzte zum Thema Stress im Arbeitsalltag beraten und zahlreiche von ihnen vermittelt.

Über den Autor

Autoren-Profilbild

Niels C. Fleischhauer (M.A.) hat Ärzteglück 2020 gegründet. Seine Expertise liegt auf den Gebieten Ärztevermittlung in die Schweiz, Coaching und Gründungs-, Praxis- sowie Unternehmensberatung für Ärzte. Er verfügt über den Abschluss Master of Arts im kommunikationswissenschaftlichen Bereich.

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