Porträtfoto von Prof. Dr. Jörg Braun
Niels C. Fleischhauer

Niels C. Fleischhauer

Ausbildung zum Internisten: die 5 entscheidenden Fähigkeiten in der Inneren Medizin

Er ist der Golf unter den Autos, der Müller unter den Nachnamen oder das Spanien unter den Urlaubsländern: der Internist. Keine andere Facharztweiterbildung ist bei Deutschlands Ärzten beliebter als die Innere Medizin. Doch “beliebt” ist nicht gleichbedeutend mit “leicht”. So mancher Internist erkennt erst nach Jahren der Weiterbildung, dass er womöglich doch nicht für die Innere Medizin geeignet ist. Mit diesem wertvollen Artikel wird Ihnen das nicht passieren.

Professor Jörg Braun, internistischer Chefarzt und Autor des “Klinikleitfaden Innere Medizin”, verrät, wie Sie Ihre Ausbildung zum Internisten erfolgreich absolvieren. Er erklärt, welche entscheidenden fachlichen und mentalen Fähigkeiten Sie brauchen, um als Internist glücklich zu werden. Erfahren Sie außerdem, warum auch die Wahl des richtigen Arbeitgebers eine gewichtige Rolle in ihrer Facharztausbildung spielen sollte.

Ausbildung zum Internisten – eine Entscheidung “aus Vernunftsgründen

Die Innere Medizin ist die am häufigsten absolvierte Facharztweiterbildung (externer Link) innerhalb der deutschen Ärzteschaft – sogar noch vor der Allgemeinmedizin. Die Wahl der internistischen Fachrichtung scheint dabei weniger eine Entscheidung aus Leidenschaft zu sein; vielmehr würden sich junge Ärzte “aus Vernunftsgründen” für die Innere Medizin entscheiden, beobachtet Professor Braun. “Zum einen ist in nahezu allen medizinischen Disziplinen ein Basis-Verständnis für die Innere Medizin hilfreich; zum anderen wollen viele Kollegen gerade am Berufsanfang auch kritische Situationen beherrschen lernen.

Der Umgang mit kritischen Situationen und Notfällen bewirkt jedoch auch ein gewisses Maß an situativem Druck. So hat die Innere Medizin mit ihren Diensten keineswegs den Ruf einer familienfreundlichen Fachrichtung. Auch gilt der Internist traditionell nicht als ein entspannter Facharzt mit wenig Stress. 

Auch die schiere Größe des Fachgebiets bereitet vielen Medizinern Unbehagen, wie Hochschuldozent Braun zu berichten weiß. Er hat in seinem Leben schon viele internistische Berufsanfänger begleitet und ausgebildet. “Gleichzeitig besteht auch immer großer, großer Respekt vor dem riesigen Gebiet – gepaart mit Zweifeln, ob man dies alles in den Kopf bekommen kann.” Daher sei es “sinnvoll und befriedigend”, eine weitere Spezialisierung – etwa die Gastroenterologie oder Kardiologie – vorzunehmen.

Zwischen Erfüllung und Enttäuschung

Hochschulabsolventen gehen mit bestimmten Erwartungen in die Ausbildung zum Internisten. Insbesondere die Arbeit nah am Patienten und die Vielfalt des Berufsbildes üben eine große Anziehungskraft aus. Doch schnell wird der Anspruch mit der Wirklichkeit abgeglichen; und die Antwort auf die Frage “Welcher Facharzt passt zu mir?” ist wieder offen.

Die Innere Medizin kann frustrieren. Das merken auch Weiterbildungsassistenten schnell. “Internisten heilen selten und werden durch die mangelnde Bereitschaft ihrer Patienten, einen einigermaßen gesunden Lebenswandel zu führen, auch immer wieder frustriert werden”, stellt der internistische Chefarzt Braun klar. Einige junge Ärzte scheitern an diesem Umstand.

Auch die drohende fachliche Überforderung ist ein ständiger Begleiter während der Facharztausbildung. “Tatsächlich kann man heute im Gegensatz zu meiner Ausbildungszeit kaum noch einen Überblick über alle internistischen Teilgebiete behalten”, beschreibt der Hochschuldozent die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte. In der Folge resigniert manch ein Assistenzarzt vor dem Berg an Wissen, welchen es während der Facharztweiterbildung aufzunehmen gilt. Aus diesem Grund erfand Professor Braun übrigens 1988 mit dem Klinikleitfaden Innere Medizin (externer Link) das “Kitteltaschenbuch”. Er wollte Internisten im Berufsalltag einen schnellen und einfachen Zugang zu notwendigem Wissen aus dem Gebiet der Inneren Medizin ermöglichen.

Die 5 entscheidenden Fähigkeiten für Internisten

Sie werden bald Ihre Facharztweiterbildung für Innere Medizin beginnen? Dann interessiert es Sie sicherlich, welche Fähigkeiten maßgeblich für den erfolgreichen Abschluss Ihrer Ausbildung sind. Sie befinden sich bereits mitten in der Weiterbildung? In diesem Fall sollten Sie unbedingt abgleichen, welche Fähigkeiten Sie schon beherrschen und wo Sie eventuell Nachholbedarf haben.

Die entscheidenden Fähigkeiten für Internisten lauten:

  1. Stresstoleranz
    Stresstoleranz ist zugegebenermaßen in jeder medizinischen Fachrichtung angebracht. Dies gilt jedoch im Besonderen für die Innere Medizin mit ihren Notfällen und kritischen Situationen.
  2. Frustrationstoleranz
    Akzeptieren Sie, dass sich viele Ihrer Patienten durch ihren Lebenswandel selbst schaden. Außerdem sollten Sie anerkennen, dass Internisten nur selten heilen.
  3. Klarheit in der Persönlichkeit
    Da sich die Anforderungsprofile der internistischen Teilgebiete stark voneinander unterscheiden, sollten Sie Ihre persönlichen Stärken und Schwächen definieren. Streben Sie nach einer langfristigen Beziehung zu Patienten? Möchten Sie einer Krankheit auf den Grund gehen? Reizt Sie die intellektuelle Tätigkeit? Je nach Ihrer Präferenz sollten Sie sich weiter spezialisieren.
  4. Neugier und Veränderungsbereitschaft
    Die Entwicklung wird gerade in Anbetracht der disruptiven Technologien (Biotechnologie und IT mit KI) auch in den nächsten Jahren atemberaubend schnell sein”, prognostiziert Professor Braun. Vor diesem Hintergrund rät er zu Neugier und Veränderungsbereitschaft, um “demütig zu bleiben und Diagnosen und Therapien immer wieder auf den Prüfstand zu stellen”. Das lohne sich: “Seltene Erkrankungen sind in Summe dann doch recht häufig”.
  5. Ausdauer
    Die Ausbildung zum Internisten und spätere Arbeit als solcher erfordert Ausdauer. “Die Innere Medizin ist meistens ein Marathonlauf und kein Sprint”, gibt Chefarzt Braun zu bedenken. Kümmern Sie sich also unbedingt auch um Ihre eigene Gesundheit.

Die perfekte Ausbildungsstätte finden

Trotz ihrer Herausforderungen hat Professor Braun seine Ausbildung zum Internisten und die anschließende Arbeit als Facharzt nie bereut: “Die intellektuelle Herausforderung, mit der dynamischen Entwicklung Schritt zu halten – gepaart mit der Notwendigkeit, dieses Wissen auch an den Patienten zu bringen – fasziniert mich weiter wie am ersten Tag auf Station.” Empfinden Sie diese Faszination ebenfalls? Verfügen Sie bereits über die erwähnten Fähigkeiten? Perfekt, dann ist die Innere Medizin womöglich die beste Facharztausbildung für Sie.

Nun gilt es, den perfekten Arbeitgeber für Ihre Facharztweiterbildung zu finden. Hier existiert kein Patentrezept; denn die Qualität der Ausbildung zum Internisten ist von vielen Faktoren abhängig – zum Beispiel vom Arbeitsklima, vom Chefarzt oder vom fachlichen Schwerpunkt der Klinik. Doch eines ist sicher: Es bestehen teils große Unterschiede in der Zufriedenheit junger Assistenzärzte mit der Ausbildung in der Fachrichtung der Inneren Medizin.

Wir wollen, dass Sie Ihren Arztberuf lieben und Ihre Facharztausbildung erfolgreich absolvieren. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Wir zeigen Ihnen, wo glückliche Fachärzte für Innere Medizin ausgebildet werden.

Porträt von Prof. Dr. Jörg Braun
Professor Jörg Braun ist internistischer Chefarzt, Hochschuldozent und Inhaber einer Privatpraxis für Innere Medizin (externer Link). Außerdem ist er Autor des “Klinikleitfaden Innere Medizin”, welcher bislang in 14 Ausgaben veröffentlicht und in zehn Sprachen übersetzt worden ist. 2015 gründete er die Stiftung Arztgesundheit (externer Link), welche Mediziner dabei unterstützt, zu einem gesunden Leben und Berufsalltag zu gelangen.

Über den Autor

Niels C. Fleischhauer

Niels C. Fleischhauer

Inhaber von Ärzteglück

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