Porträtfoto von Ärzte-Coach Petra Wolfram
Niels C. Fleischhauer

Niels C. Fleischhauer

Burn-out als Assistenzarzt: Was kann ich tun?

Sind Sie schon einmal morgens erschöpft aufgewacht, haben sich in die Klinik geschleppt und gehofft, dass der Arbeitstag bald vorüber ist? Sie beschreiben dies gar als Ihren Dauerzustand? Dann sollten Ihre Alarmglocken schrillen; denn mit großer Wahrscheinlichkeit bahnt sich ein Burn-out an.

Petra Wolfram, Coach für Ärzte und Führungskräfte, nennt nachfolgend die typischen Warnsignale von Assistenzärzten bei einem anstehenden Burn-out. Sie gibt wertvolle Tipps, was Sie als Betroffener konkret dagegen unternehmen können. Außerdem erfahren Sie im folgenden Beitrag, wo Sie eine Assistenzarztstelle mit wesentlich geringerer Arbeitsbelastung finden, um einem Burn-out erfolgreich vorzubeugen.

Burn-out unter Assistenzärzten ein Massenphänomen

70 Prozent der jungen Krankenhaus-Ärzte weisen Anzeichen von Burn-out auf. Das ergab eine Studie (externer Link) der “Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege” im Jahre 2019. Im Zuge der Corona-Krise und der permanenten ärztlichen Überlastung dürfte sich dieser Umstand nicht zum Positiven entwickelt haben. Jeder Fünfte habe demnach bereits stressbedingt Medikamente eingenommen. “Dieses Ergebnis ist sicherlich alarmierend und zeigt auf, wie verbreitet das Thema Burn-out in diesem Bereich ist. Dies deckt sich auch mit meinen Beobachtungen. Häufig wird versucht, das Thema zu ignorieren und zu verdrängen”, stellt Frau Wolfram ernüchtert fest.

Die Ursachen für die starke Verbreitung von Burn-out unter Assistenzärzten sieht Ärzte-Coach Wolfram in strukturellen und organisatorischen Rahmenbedingungen der Krankenhausarbeit: “Assistenzärzte sind häufig permanenten Druck, hohen Arbeitsbelastungen bzw. Arbeitsverdichtung und besonderen Herausforderungen durch wirtschaftliche Interessen der Klinikleitungen ausgesetzt. Lange Arbeitszeiten und Schichtarbeit führen zusätzlich zu einer hohen Belastung. Die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben verschwimmen, so dass manche gar nicht mehr wissen, wie sich Erholung oder Muße anfühlt.

Warnsignale für einen Burn-out

Dabei sendet unser Körper rechtzeitig Warnsignale ab, sobald er eine entsprechende Zeit lang über seine Grenzen gegangen ist. “Zunächst sind es kleine Warnsignale, wie z. B. sich morgens nach dem Schlafen nicht erholt fühlen oder erste Konzentrationsprobleme. Auch häufige Gereiztheit gehören dazu”, fasst Frau Wolfram die frühen Anzeichen zusammen. Doch paradoxerweise scheinen gerade Ärzte die Vorboten eines drohenden Burn-outs zu übersehen beziehungsweise zu missachten.

Wenn der Betroffene darauf nicht reagiert, folgen typische Symptome wie chronische Müdigkeit, abnehmende Leistungsfähigkeit, permanente Erschöpfung, Motivationsprobleme, zunehmende Gedächtnisschwäche und Schlafstörungen”, beschreibt Stressmanagement-Expertin Wolfram die weitere Entwicklung. “In dieser Stufe bedeuten die Symptome häufig bereits eine deutliche gesundheitliche Einschränkung.” Bis zur völligen Erschöpfung ist es dann meist nicht weit.

Was Sie als Assistenzarzt gegen einen Burn-out unternehmen können

Frau Wolfram rät Assistenzärzten, bereits bei den ersten Signalen für einen möglichen Burn-out innezuhalten und achtsam mit sich selbst umzugehen: “Wichtige, den Prozess unterstützenden Fragen dabei sind: Wobei kann ich mich erholen? Was kann ich tun, um meinen Akku aufzuladen? An welchen Stellen kann ich Stress reduzieren? Was kann ich verändern?” Empfehlenswert seien darüber hinaus “erholsame Pausen, ein aktiver Umgang mit der eigenen Gesundheit und regelmäßige Bewegung als Ausgleich”.

Doch was ist zu tun, wenn Sie als Assistenzarzt akut unter Burn-out leiden oder bereits krankgeschrieben sind? Auch in dem Fall empfiehlt Ärzte-Coach Wolfram, “die Zeit der Krankschreibung aktiv zu nutzen”. Es gelte nicht nur, wieder zu gesunden, sondern auch, die Ursachen für den Burn-out zu finden. “Dabei ist es wichtig, sich selbst zu reflektieren und zu schauen: Wann ist es zu viel? Welche Signale sendet mir mein Körper? Was hilft mir, um mich zu entspannen?”, beschreibt sie die nächsten Schritte. “Es geht darum, die Energiefresser zu identifizieren.” Zugleich sollten Sie herausfinden, was Sie in Zukunft ändern können und welche Routinen Ihnen Entspannung im Alltag verschaffen.

Unterstützung für Assistenzärzte

In dieser Phase kann Sie ein professionelles Coaching unterstützen. Frau Wolfram beschreibt die Zusammenarbeit zwischen Assistenzarzt und Coach folgendermaßen: “Die persönlichen Stressfaktoren und ein Bewusstsein für erste Signale des Körpers in Bezug auf Stress werden gemeinsam erarbeitet. Auch der persönliche Umgang mit Belastungen und die Stressresilienz werden im Coaching angegangen.

Gemeinsam entwickelt man Strategien, um der Erschöpfung Herr zu werden. Assistenzärzte können so lernen, konstruktiv mit möglichen Ursachen umzugehen und neue Potenziale zu erschließen. Das Ziel eines Coachings ist es, sich dauerhaft vor Burn-out zu schützen.

Neue Stelle, neue Hoffnung

Ein möglicher Lebenswandel als Mittel gegen den Burn-out vollzieht sich Stressmanagement-Expertin Wolfram gemäß nicht zwingend nur im Innern. “Bei der genannten Ursachenanalyse ist es auch bedeutend, zu überprüfen: Entspricht die aktuelle Stelle meinen Zielen und Werten? Bringt mir meine Arbeit aktuell Spaß? Bin ich damit glücklich? Bei der Beantwortung dieser Fragen rate ich, sich Zeit zu nehmen, genau in sich hinein zu hören/sehen und den aktuellen Stand genau zu betrachten. Natürlich kann eine Option sein, die Stelle zu wechseln, um die Belastung zu reduzieren, sich wohler zu fühlen, mit mehr Spaß an die Arbeit zu gehen.

Bei Ihren Überlegungen sollten Sie sich nicht von vermeintlich guten Ratschlägen mancher Kollegen beeinflussen lassen. Totschlagargumente wie “das ist eben so” oder “woanders ist es auch nicht besser” haben mitunter fatale Folgen: Sie stabilisieren das System des gemeinsamen Leidens und erwecken den Eindruck, als habe man alles über sich ergehen zu lassen. Doch glauben Sie mir: Nein, es ist nicht in jeder Klinik so schlimm. Wir kennen genug Krankenhäuser, welche Ärzten gute Arbeitsbedingungen bieten – wo Sie als Assistenzarzt in einem Krankenhaus ohne Überstunden und 24-Stunden-Dienste, sondern mit geregelten Arbeitszeiten wirken können.

Unabhängig von den spezifischen Ursachen ist eines klar: Burn-out entwickelt sich nur unter Krankenhaus-Ärzten, deren Work-Life-Balance instabil ist. Achten Sie daher bei der Wahl Ihres Krankenhauses auf innovative Arbeitszeitmodelle für Ärzte. Womöglich ist auch der Wechsel als Assistenzarzt in eine Teilzeitstelle eine vielversprechende Option. Selbst Ihren Facharzt können Sie problemlos in Teilzeit absolvieren und sich so dauerhaft genügend Freiraum zur Erholung verschaffen.

Gemeinsam gegen den Burn-out

Jetzt sind Sie an der Reihe: Halten Sie inne und horchen Sie in sich hinein? Wo stehen Sie gerade? Wir alle tun gut daran, achtsamer mit uns selbst umzugehen. Das gilt in besonderem Maße für Klinik-Ärzte, die naturgemäß erheblichem Druck ausgesetzt sind.

Gerne unterstützen wir Sie auf Ihrem Weg. Wir wollen, dass Sie Ihren Arztberuf lieben. Wir kennen die Kliniken, welche behutsam mit ihren Mitarbeitern umgehen. Gehen Sie also den ersten Schritt und nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

Porträtfoto von Ärzte-Coach Petra Wolfram
Petra Wolfram ist Coach für Ärzte und Führungskräfte. Sie ist Expertin auf den Gebieten des Stressmanagements, der Burn-out-Prävention und der Bewältigung von besonderen Herausforderungen. Weitere Informationen finden Sie auf www.mindvisory.com (externer Link).

Über den Autor

Niels C. Fleischhauer

Niels C. Fleischhauer

Inhaber von Ärzteglück

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