Porträt von Prof. Dr. Wolfgang Kölfen
Niels C. Fleischhauer

Niels C. Fleischhauer

Die 5 härtesten Fragen im ärztlichen Vorstellungsgespräch – und wie Sie richtig antworten

Warum haben Sie sich gerade bei uns beworben?” Kommen Sie bei solchen Fragen ins Schwitzen oder haben Sie eine überzeugende Antwort parat? Praktisch jeder von uns kennt Situationen wie diese aus Bewerbungsgesprächen; doch nur die wenigsten sind darauf vorbereitet. Dabei gibt es eine effektive Strategie, um Ihrer Angst Herr zu werden: die “andere Seite” – also den Chefarzt und seine Absichten während des ärztlichen Bewerbungsgespräches – kennenlernen.

Nachfolgend verrät uns Chefarzt und Kommunikationstrainer Professor Wolfgang Kölfen eine Auswahl der härtesten Fragen und die passenden Antworten im Vorstellungsgespräch. Gleichzeitig erfahren Sie, warum Sie selbst die Initiative ergreifen und gezielt Fragen stellen sollten. Haben Sie keine Sorge: Mit diesem Beitrag sind Sie bestens auf Ihr ärztliches Bewerbungsgespräch vorbereitet.

1. “Warum haben Sie sich gerade bei uns beworben?

Diese Frage dürften Sie bereits gehört haben; denn sie ist zugegebenermaßen ein Klassiker unter den Fragen des ärztlichen Vorstellungsgesprächs im Krankenhaus. Gleichzeitig ist es erstaunlich, dass nur wenige Mediziner wirklich darauf vorbereitet sind. “Da hört man manchmal spannende Antworten”, berichtet Professor Kölfen.

Der Chefarzt prüft mit der Fage im Jobinterview, inwieweit Sie sich über die Klinik und deren Schwerpunkt informiert haben. Haben Sie sich bei einer erlesenen Auswahl spezialisierter Häuser beworben oder wahllos Bewerbungen abgeschickt? Außerdem gibt Ihre Antwort preis, ob Sie Ihre eigenen Ziele kennen und sich deren Verwirklichung am neuen Arbeitsplatz vorstellen können. Ein Kandidat, der nicht weiß, wo er beruflich hin will, birgt für Krankenhäuser das große Risiko, schnell wieder weg zu sein.

Doch wie könnte eine gute Antwort lauten? Legen Sie dar, welche beruflichen Ziele Sie verfolgen. Erklären Sie, warum gerade diese Klinik perfekt zu Ihnen und Ihrem angestrebten Werdegang passt.

2. “Ab wann sind Sie verfügbar?

Unbesetzte Arztstellen kosten Krankenhäuser Geld – viel Geld. Aus diesem Grund versucht der Chefarzt, eine vakante Position möglichst schnell neu zu besetzen. Dem akuten Ärztemangel zum Trotz kann er dabei in Ballungsgebieten oftmals noch zwischen mehreren Kandidaten auswählen. “Wenn die Wartezeit für uns zu lang ist – zum Beispiel ein halbes Jahr –, dann ist das ein Ausschlusskriterium”, gibt Professor Kölfen zu bedenken. Den Zuschlag würde dann derjenige Bewerber erhalten, welcher schneller verfügbar ist.

Achten Sie also bereits bei Ihrer Bewerbung als Arzt darauf, dass Ihre Kündigungsfrist nicht zu lange währt. Gegebenenfalls bewerben Sie sich nur auf Positionen, die Ihnen genügend Zeit für eine fristgerechte Kündigung lassen. Alternativ können Sie versuchen, sich mit Ihrem alten Arbeitgeber auf eine vorzeitige Auflösung des Arbeitsvertrags zu verständigen. In jedem Fall sollten Sie dem Chefarzt beim Vorstellungsgespräch im Krankenhaus eine klare Antwort auf seine Frage geben können.

3. “Warum haben Sie sich für diese Region entschieden?

Bewerben Sie sich auf Stellen in größerer Entfernung, so könnte diese einen Umzug zur Folge haben. Chefärzte wissen, dass die Zufriedenheit eines Arztes nicht nur mit der Klinik zusammenhängt; auch das räumliche Umfeld spielt eine Rolle. Passt dieses nicht zum Bewerber, so droht dieser bald wieder weg zu sein. Daher versucht der Chefarzt, mit dieser Frage Ihre Auswahlkriterien, was die Region anbelangt, herauszufinden und mit der Wirklichkeit abzugleichen. 

An dieser Stelle kommt es auf Ihre ganz persönliche Antwort an. Gleichzeitig ist Fingerspitzengefühl gefragt. Chefarzt und Kommunikationstrainer Professor Kölfen macht das an einem Beispiel fest: “Wenn jemand aus Bayern wegen der Liebe seinen Lebensmittelpunkt in Düsseldorf sucht, finde ich das glaubhaft. Wenn er aber als Grund angibt, er habe schon immer mal Karneval in Düsseldorf feiern wollen, dann bin ich skeptisch.” Seien Sie also erstens aufrichtig; und nennen Sie zweitens fundierte, nachvollziehbare Gründe.

4. Fallbeispiele: “Stellen Sie sich vor, Sie…

Unter Chefärzten genießen Fallbeispiele eine besondere Beliebtheit. Dabei sollen Sie in einem Gedankenspiel unter Beweis stellen, wie Sie sich in einer konkreten Situation verhalten würden. Professor Kölfen nennt ein Beispiel: “Es ist Freitag. Der Kollege, welcher eigentlich den Nachtdienst übernehmen sollte, ist ausgefallen. Der leitende Oberarzt geht auf Sie zu und bittet Sie darum, die Schicht zu übernehmen. Wie verhalten Sie sich; und was sind dabei Ihre Gedanken?” Darüber hinaus wird häufig von Ihnen verlangt, Ihre Beweggründe für Ihr Handeln darzulegen.

Chefärzte wie Professor Kölfen können viel von Ihrem Verhalten ablesen: “Einer antwortet etwa, er sei Berufsanfänger und wolle sich einbringen. Aus diesem Grund übernehme er gerade am Anfang viele Dienste. Er wolle schließlich schnell im Team akzeptiert werden. Hier vermute ich eine starke Leistungs- und Teamorientierung. Ein anderer wiederum möchte erst mal eine Konferenz einberufen und genau schauen, wer wann wie viele Dienste gemacht hat. Bei diesem Kandidaten habe ich als Chefarzt die Sorge, dass es später Querelen geben wird.

Hier macht es sich bezahlt, dass Sie sich typische Fälle Ihrer Abteilung vorstellen. Überlegen Sie sich jeweils, wie Sie reagieren würden – und warum; denn gelegentlich machen Ihre Motivation und Ihre Lebensumstände den Unterschied. So könnte etwa – um beim skizzierten Beispiel zu bleiben – ein Vater die Schicht mit dem Verweis auf die Betreuung seiner Kinder relativ einfach ablehnen.

5. “Was ist Ihnen an Ihrer Arbeitsstelle am wichtigsten?

Mit dieser typischen Interviewfrage zielt der Chefarzt ein weiteres Mal auf Ihren inneren Antrieb ab. Was erfüllt Sie an einem Arbeitsplatz? Was darf auf keinen Fall fehlen? Was mögen Sie ganz und gar nicht? Es erspart allen Beteiligten viel Zeit und womöglich Ärger, wenn Sie und der Chefarzt gemeinsam Ihre Erwartungshaltung mit dem Klinikalltag abgleichen. Für den Fall, dass die Abweichungen zu groß sein sollten, stellt Professor Kölfen klar: “Ich würde im Zweifelsfall auf jemanden verzichten – selbst dann, wenn er fachlich gut ist.

Zu den zentralen Aufgaben des Chefarztes gehört auch die Personalpolitik. Professor Kölfen hebt den Druck hervor, unter welchem er als Chefarzt steht, und wirbt um Verständnis: “Wenn ich mir eine Pflaume an Land ziehe, fällt das sofort auf mich zurück: ‘Was haben Sie denn da gemacht?’ In der heutigen Zeit hat man als Chefarzt eine extrem hohe Verantwortung, da nicht mehr 100 Bewerber zur Verfügung stehen. In manchen Fachgebieten bin ich froh, überhaupt eine Bewerbung zu bekommen.

Schwächen im ärztlichen Vorstellungsgespräch

Wir alle würden lieber gerne bloß von unseren Stärken berichten. Gerade ärztliche Vorstellungsgespräche sind jedoch berüchtigt dafür, große Schwächen von Bewerbern zu offenbaren. Daher raten wir Ihnen, sich vor dem Bewerbungsgespräch ehrlich mit Ihren Schwächen auseinanderzusetzen. In welchen Fachgebieten haben Sie Nachholbedarf? Welche ärztlichen Tätigkeiten liegen Ihnen überhaupt nicht? Wo ecken Sie immer wieder mit Kollegen an? Sich hier Klarheit zu verschaffen, stellt den ersten Schritt dar. Zudem haben Sie womöglich noch Zeit, zumindest kleinere Schwächen auszugleichen.

Als zweites erhalten Sie für das Vorstellungsgespräch mit einer guten Vorbereitung eine passende Antwort auf die Frage des Chefarztes nach Ihren Schwächen. Wichtig ist auch hier, dass Sie ehrlich bleiben. Des Weiteren empfehlen wir Ihnen, Ihre Schwächen als mögliche Stärken zu verkaufen. So könnten Sie etwa Ihre gelegentliche Unzufriedenheit mit der Arbeitsleistung Ihrer Kollegen als “überehrgeizig” betiteln; oder Sie heben hervor, sich auf gewisse Teilbereiche Ihres Fachs, in denen Sie besonders stark sind, fokussiert zu haben.

Ein Negativbeispiel – wie Sie es NICHT machen sollten

Professor Kölfen hat in seinen mehr als zwei Jahrzehnten als Chefarzt schon viele Bewerber eingestellt. Auch hat er schon einiges von ärztlichen Kandidaten im Vorstellungsgespräch gesehen und gehört: “An ein Bewerbungsgespräch – es war bereits der zweite Termin – erinnere ich mich noch ganz deutlich. Die Kandidatin wollte gerne zu uns kommen. Dann fragte sie, ob sie ihren Hund mitbringen könne. Ich musste erstmal die Luft anhalten, blieb dann aber professionell. Schließlich wollte sie ja nicht ihre Schwiegermutter holen, sondern den Hund. Ich fragte sie also, wie sie sich das vorstelle, wo der Hund sich aufhalten solle und was passiere, wenn er heule. Es stellt sich heraus, dass sie die Vorstellung einer Hundebetreuung hatte, wie sie in manchen Industrieunternehmen vorkommt. Das konnte ich ihr leider nicht bieten.

Der Kommunikationstrainer empfiehlt Chefarzt und Bewerber stets ein zweites Gespräch; denn häufig würden beide beim ersten Kennenlernen unter dem Halo-Effekt (externer Link) leiden: “Wenn der Chefarzt in guter Stimmung ist, fühlen er und der Bewerber sich wie frisch verliebt. Sie schweben wie auf Wolke sieben und sehen keine Stromschnellen.” Diesem Effekt könne man mit einem erneuten Wiedersehen entgegenwirken.

Sie haben die (Aus-)Wahl

Vielleicht werden Sie mir nicht glauben; doch womöglich ist der Chefarzt vor Ihrem Vorstellungsgespräch als Assistenzarzt nervöser als Sie. Machen Sie sich klar, dass Sie sich im Regelfall eine von mehreren Stellen aussuchen können. Das ist auch Chefärzten wie Professor Kölfen bewusst: “Man spürt nicht, dass der Bewerber Angst hat. Ich glaube eher, dass der Chefarzt befürchtet, die freigewordene Stelle nicht bald besetzen zu können.

Sie wiederum können sich diesen Umstand zunutze machen. Der Wind hat sich gedreht: Sie sind diejenige Person, welche Ansprüche gelten machen kann und sollte. Das ist übrigens auch ganz im Sinne der Klinikleitung, wie der Kommunikationstrainer berichtet: “Wenn man als Bewerber das Gefühl hat, durch falsche Versprechungen angelockt zu werden, sollte man hellhörig werden. Da stimmt dann irgendwas nicht. Nun gilt es, gezielt nachzufragen; denn falsche Versprechungen führen zu Frust auf beiden Seiten. Doch das Ziel sollte es ja sein, Ärzteglück zu erschaffen.

Ein entspanntes ärztliches Vorstellungsgespräch in der Klinik

Nun kann Sie so schnell nichts mehr schocken und keine Frage im ärztlichen Bewerbungsgespräch aus dem Konzept bringen. Wenn Sie sich auf Fragen (und Fälle) wie die dargestellten vorbereiten, brauchen Sie keine Angst vor dem Vorstellungsgespräch zu haben. Sie können diesen wichtigen Termin vielmehr als große Chance begreifen. Drehen Sie den Spieß einfach um und stellen selbst Fragen. Schließlich hat sich der “Markt” verändert; und Sie haben jetzt die Qual der Wahl zwischen verschiedenen Arbeitgebern. Hier können gezielte Fragen Ihnen entscheidende Einblicke in den Klinikalltag verleihen. So können Sie und Ihre Klinik dauerhaft glücklich miteinander werden.

Sie fühlen sich trotzdem noch unsicher? Dann kontaktieren Sie Ärzteglück. Wir wollen, dass Sie Ihren Arztberuf lieben. In unserem Netzwerk zur Ärztevermittlung finden wir genau den Arbeitgeber, bei welchem die Bewerbungsgespräche im Krankenhaus entspannt ablaufen. So wird Ihre Bewerbung als Assistenzarzt, Facharzt oder Oberarzt am Ende von Erfolg gekrönt sein.

Porträt von Prof. Dr. Wolfgang Kölfen
Professor Wolfgang Kölfen ist Kommunikationstrainer, Redner und Autor. Darüber hinaus leitet er seit 1998 als Chefarzt die Klinik für Kinder und Jugendliche der Städtischen Kliniken Mönchengladbach. Einen Kontakt zu Professor Kölfen finden Sie auf seiner Website (externer Link).

Über den Autor

Niels C. Fleischhauer

Niels C. Fleischhauer

Inhaber von Ärzteglück

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