Porträtfoto der Deutschlehrerin Odile Ullner
Niels C. Fleischhauer

Niels C. Fleischhauer

Die ärztliche Fachsprachenprüfung: So bestehen ausländische Ärzte erfolgreich

Deutsch gilt unter Experten als eine der schwersten Sprachen Europas – wenn nicht gar der Welt (externer Link). Da ist es kein Wunder, dass das Erlernen unserer Sprache ausländischen Medizinern Probleme bereitet. Schließlich möchten Sie lieber heute als morgen als ausländischer Arzt in Deutschland arbeiten und dem geliebten Arztberuf nachgehen. Doch bevor Sie das dürfen, steht erst einmal die ärztliche Fachsprachprüfung (FSP) an.

In diesem Artikel verrät Odile Ullner, Diplom-Übersetzerin und Leiterin einer Sprachschule, wie ausländische Mediziner erfolgreich ihre ärztliche Fachsprachenprüfung bestehen. Sie werden erkennen, dass Ärzte mit der richtigen Vorbereitung keine Angst vor der Fachsprachprüfung zu haben brauchen. Zudem zeigen wir Ihnen, wie Sie nach bestandener Prüfung ganz schnell Ihre erste Arztstelle in Deutschland finden.

Sinn und Zweck der ärztlichen Fachsprachenprüfung

Mediziner, welche ihre deutsche Approbation oder eine vorübergehende Berufserlaubnis für ausländische Ärzte erhalten möchten, benötigen zuvor ausreichende Deutschkenntnisse. Diese können Sie mithilfe der ärztlichen Fachsprachenprüfung – auch “Fachsprachprüfung” genannt – nachweisen. Bei der Fachsprachenprüfung für ausländische Ärzte wird getestet, wie gut Sie mit Patienten, Kollegen und medizinischen Fachkräften kommunizieren können.

Dabei haben ausländische Ärzte gelegentlich eine falsche Vorstellung von Inhalt und Ablauf der Fachsprachprüfung. “Der Arzt muss in der Lage sein, Informationen über Beschwerden, Psyche und soziales Umfeld korrekt einzuordnen, zu dokumentieren und auf der Grundlage der Verdachtsdiagnose (VD) dem Patienten das weitere diagnostische und therapeutische Vorgehen patientengerecht zu erläutern”, erläutert Schulleiterin Ullner. Es handelt sich also in erster Linie um eine sprachliche und weniger um eine fachliche Prüfung. Ihre fachliche Expertise wird später im Rahmen der Kenntnisprüfung abgefragt.

Voraussetzungen zur Teilnahme an der ärztlichen Fachsprachprüfung

Damit Sie für die ärztliche Fachsprachenprüfung zugelassen werden, sind einige Voraussetzungen nötig. Zunächst brauchen Sie “gute allgemeine, auch umgangssprachliche Sprachkenntnisse” sowie “sehr gute Kenntnisse der medizinischen Fachsprache und die Fähigkeit, mühelos zwischen den beiden Sprachebenen zu wechseln”, erklärt Frau Ullner. In ihrer Sprachschule bringt sie jedes Jahr unzähligen ausländischen Ärzten Deutsch bei und bereitet sie auf die Fachsprachprüfung vor. Nach Abschluss der Kurse und bestandener Deutschprüfung erhalten Sie dann ein deutsches Sprachzertifikat – idealerweise “ein gutes Zertifikat B2 oder besser C1”, wie Schulleiterin Ullner anmerkt.

Stellen Sie anschließend Ihren Antrag auf Approbation oder vorübergehende Berufserlaubnis bei der Approbationsbehörde (externer Link) eines Bundeslandes Ihrer Wahl. Legen Sie auch Ihr Sprachzertifikat vor. Beachten Sie, dass mir einige ausländische Mediziner bekannt sind, welche zusätzlich eine Stellenzusage durch eine Klinik nachweisen sollten. Hier agieren die einzelnen Behörden also durchaus unterschiedlich.

Die Approbationsbehörde prüft, ob für Sie eine ärztliche Fachsprachenprüfung vonnöten ist. Das wird in den meisten Fällen so sein. Daraufhin erhalten Sie den dazugehörigen Prüfungstermin von der zuständigen Landesärztekammer.

In jedem Fall sollten Sie also folgende formale Voraussetzungen erfüllen, um an der ärztlichen Fachsprachenprüfung teilnehmen zu dürfen:

  1. Ein gutes Sprachzertifikat auf dem Niveau von B2 oder – noch besser – C1 erwerben
  2. Den Antrag auf Approbation oder eingeschränkte ärztliche Berufserlaubnis für Ausländer stellen
  3. Gegebenenfalls eine Stellenzusage von einem medizinischen Arbeitgeber erhalten

Neben den formalen Aspekten sollten ausländische Ärzte auch einige persönliche Voraussetzungen mitbringen, um die Fachsprachprüfung zu meistern. “Eine gute mentale Vorbereitung ist wichtig, um eine angenehme Gesprächsatmosphäre zu schaffen”, verrät Frau Ullner. “Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, ein Gespräch gut strukturieren zu können, um nach der Informationsphase die Situation einschätzen, verschiedene Lösungswege aufzeigen und schließlich zu einer befriedigenden Lösung für beide Gesprächspartner kommen zu können.”

Sie fühlen sich für Ihren Prüfungstermin gewappnet? Wunderbar, dann schauen Sie sich doch einmal die Inhalte der Prüfung an. Die ärztliche Fachsprachenprüfung besteht aus drei Teilen:

  1. Der Anamnese
  2. Dem Arztbrief
  3. Dem Arzt-Arzt-Gespräch

Erster Teil der ärztlichen Fachsprachenprüfung: die Anamnese

Bei der Anamnese wird geprüft, inwieweit Ärzte aus dem Ausland die medizinische Vorgeschichte von Patienten erfragen können. “Erfahrungsgemäß fällt ausländischen Ärzten der erste Teil der FSP, das Erheben der Anamnese, in der Regel am leichtesten. Bei der Anamnese ist eine klare Struktur vorgegeben, an der man sich orientieren kann. Die meisten Ärzte haben sich zudem intensiv mit den verschiedenen Krankheitsbildern auseinandergesetzt, so dass sie hier nicht unbedingt mit großen Überraschungen rechnen müssen”, berichtet Schulleiterin Ullner.

Gleichwohl sollten Sie die Anamnese nicht auf die leichte Schulter nehmen; denn die Schauspieler, welche die Patienten spielen, meinen es nicht immer gut mit Ihnen. Fallstricke lauern etwa “in Gestalt ‘schwieriger’ Patienten, die aggressiv-fordernd, weinerlich oder auch extrem mitteilungsfreudig den Prüfungskandidaten verunsichern können. Auch den Faktor Zeit gilt es im Blick zu haben. Redselige oder fordernde Patienten können schnell den Zeitplan durcheinanderbringen”, warnt Frau Ullner. Andere Patienten wiederum sprechen Dialekt oder Umgangssprache, ergänzt sie: “So mag es beispielsweise nicht jeder ausländische Arzt verstehen, warum die Patientin es ‘im Kreuz’ und der nächste Patient ‘schon immer gern einen gehoben habe’.

Zweiter Teil der ärztlichen Fachsprachenprüfung: der Arztbrief

Im zweiten Teil der Fachsprachprüfung erstellen Sie auf Basis der Anamnese-Informationen einen kurzen Arztbrief (AB). Dieser besteht aus folgenden Bestandteilen:

  • Zusammenfassung der anamnestischen Angaben
  • Verdachtsdiagnose
  • Differenzialdiagnose
  • Diagnostisches und therapeutisches Vorgehen

Wie Sie sich vorstellen können, stellt der Arztbrief ausländische Mediziner vor größere Herausforderungen. Dies liegt an Eigenheiten der deutschen Sprache – etwa der “Beherrschung des Konjunktivs I und nominaler Strukturen, die für den AB typisch sind”, erklärt Schulleiterin Ullner. Aus diesem Grund lege der Vorbereitungskurs in ihrer Sprachschule auch ein besonderes Augenmerk auf gutes schriftliches Deutsch.

Dritter Teil der ärztlichen Fachsprachenprüfung: das Arzt-Arzt-Gespräch

Die größte Herausforderung scheint mir indessen der dritte Teil der FSP zu sein”, resümiert Frau Ullner. Im Gespräch mit ärztlichen Kollegen stellen Sie den untersuchten Patienten vor, fassen die Anamnese zusammen und begründen weitere diagnostische/therapeutische Maßnahmen. “Hier ist es hilfreich, eine imaginäre Checkliste im Kopf zu haben”, empfiehlt die Schulleiterin. Doch auch “Logik, Ethik/Moral, EQ (emotionaler Quotient) und eine klinische Denkweise” erwarte man von Ihnen.

Während des Kollegengesprächs lassen die Prüfer nichts unversucht, den ärztlichen Prüfling aus der Reserve zu locken, kündigt Frau Ullner an: “So kommt es häufig vor, dass Prüfer während der Besprechung des Patientenfalls den Kandidaten immer wieder unterbrechen und plötzlich Fragen zu ganz anderen Krankheitsbildern, pharmakologischen Substanzen o. ä. stellen. Nicht immer hat der Kandidat eine vollständig korrekte oder passende Antwort parat, vor allem, wenn er unter Druck steht und  es mit einem weniger wohlwollenden Prüfer zu tun hat. Auf diese Weise wollen die Prüfer den Kandidaten auf seine Stressresistenz testen und sehen, wie er auf ‘schwierige’ Patienten oder auch ungeduldige Oberärzte reagiert.” Da heißt es dann: Ruhe bewahren. Schulleiterin Ullner rät in einer solchen Situation dringend: “Seien Sie ehrlich und bitten Sie um eine andere Frage! Sollten Sie die Frage hingegen nur teilweise beantworten können, so besteht die Kunst darin, das Gespräch in die gewünschte Richtung zu lenken, so dass man sich wieder auf vertrautem Terrain bewegt. Diese Taktik haben unsere Teilnehmer häufig erfolgreich angewandt.

Eine gute Vorbereitung zahlt sich aus

Nicht Ihre fachliche Eignung alleine gibt den Ausschlag für Erfolg oder Misserfolg in der ärztlichen Fachsprachenprüfung; “bei der Vorbereitung auf die Prüfung haben wir die Erfahrung gemacht, dass neben der fachlich-sprachlichen auch gerade die mentale Vorbereitung auf die Prüfung entscheidend ist”, stellt Frau Ullner fest. Es seien insbesondere die plötzlichen, kommunikativ anspruchsvollen Situationen, die ausländischen Ärzten Probleme bereiten.

Sprachschulen wie die von Frau Ullner bieten Unterstützung für ausländische Ärzte an und bereiten diese speziell auf die Fachsprachprüfung vor. Beispielsweise imitieren professionelle Schauspieler gezielt schwierige Patienten und anstrengende Kollegen. So werden Sie in der Prüfungssituation gewiss nicht mehr davon überrumpelt. “Genau das üben wir in unseren Simulationen”, beruhigt Schulleiterin Ullner.

Eine Stellenzusage erhalten

Die ärztliche Fachsprachenprüfung hält einige Unwägbarkeiten bereit – wie eben auch das echte Leben als Arzt. Glücklicherweise haben Sie diesen Beitrag gelesen und können sich auf Ihre ärztliche Fachsprachenprüfung vorbereiten. Auch ein spezieller Vorbereitungskurs kann Ihnen weitere Sicherheit für Ihren Prüfungstermin verleihen. So werden Sie Ihre Fachsprachprüfung bestimmt erfolgreich bestehen.

Wie geht es nach Ihrer ärztlichen Fachsprachenprüfung weiter? Wahrscheinlich werden Sie eine Stellenzusage für Ihre Approbation oder – wenn Sie bereits ohne Approbation arbeiten wollen – Ihre Berufserlaubnis benötigen; aber das ist in manchen Regionen Deutschlands wie zum Beispiel Ballungsgebieten leichter gesagt als getan. Doch zum Glück gibt es Ärzteglück. Wir unterstützen Sie auf dem Weg zu Ihrer Assistenzarztstelle mit Berufserlaubnis in Deutschland. Unsere Experten wissen sogar, wo Ärzte ohne Approbation besonders gute Chancen auf Jobs haben. Kontaktieren Sie uns also am besten sofort, wenn Sie Ihre ärztliche Fachsprachenprüfung bestanden haben; denn wir wollen, dass Sie Ihren Arztberuf in Deutschland lieben.

Deutschlehrerin Odile Ullner
Odile Ullner ist Diplom-Übersetzerin für die russische sowie französische Sprache und Deutschlehrerin. Sie leitet die Sprachschule “Deutsch for Docs” in Göttingen. Sie erreichen Frau Ullner über ihre Website (externer Link).

Über den Autor

Niels C. Fleischhauer

Niels C. Fleischhauer

Inhaber von Ärzteglück

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