Eine Frau gibt einem Arzt die Hand
Bild von Niels C. Fleischhauer (M.A.)

Niels C. Fleischhauer (M.A.)

Vorstellungsgespräch als Assistenzarzt ohne Angst: 9 Tipps für Ihren Erfolg im Bewerbungsgespräch

Herzlichen Glückwunsch, Sie wurden zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Doch Sie sind sich Ihrer Chancen unsicher oder haben gar Angst vor diesem für Assistenzärzte so wichtigen Termin? Das brauchen Sie nicht.

Mit den neun entscheidenden Tipps aus diesem Beitrag lernen Sie, wie Sie im Vorstellungsgespräch als Assistenzarzt überzeugen. Außerdem zeige ich Ihnen, wo Sie Unterstützung für Ihr Bewerbungsgespräch im Krankenhaus finden. Es gibt nämlich eine spezialisierte Kollegin, die weiß, wie Sie die Assistenzarztstelle ergattern können.

Coaching für Ärzte

Foto von Niels C. Fleischhauer

1. Sie haben die (Aus-)Wahl

Auf großen Teilen des Arbeitsmarktes ist seit Jahren ein steter Wandel erkennbar: vom Arbeitgebermarkt hin zu einem Arbeitnehmermarkt. Das bedeutet, dass Bewerber sich in vielen Branchen zwischen mehreren Stellenzusagen entscheiden können. Diese Entwicklung trifft auf das Gesundheitswesen besonders stark zu.

Lassen Sie sich nicht einschüchtern, wenn der Chefarzt am Bewerbungsgespräch teilnimmt. Sehen Sie diesen Umstand vielmehr als Anerkennung für Ihren “Marktwert”. Seien Sie sich Ihrer starken Position bewusst: Sie sind kein Bittsteller, sondern eine entscheidende Stütze der Klinik. Sie haben die Auswahl und brauchen nicht die erstbeste Assistenzarztstelle anzutreten. Nehmen Sie ruhig an mehreren Vorstellungsgesprächen teil, bevor Sie eine Entscheidung treffen. So erhalten Sie einen guten Überblick und können die verschiedenen Arbeitgeber miteinander vergleichen.

2. Sich gut über den Arbeitgeber informieren

So wie der Arbeitgeber Ihre Bewerbungsunterlagen genauestens studiert, sollten auch Sie sich über ihn informieren. Das haben Sie zwar schon im Zuge Ihres medizinischen Bewerbungsschreibens getan; doch jetzt gilt es, mehr ins Detail zu gehen. Passen die eingegliederten Fachbereiche zu Ihren Weiterbildungszielen? Existieren kritische Stimmen auf Arbeitgeber-Bewertungsportalen wie XING? Wie steht es um den Ruf des Hauses? Findet Ihr Vorstellungsgespräch für die Assistenzarztstelle in Ihrer Uniklinik statt, so werden Sie bereits über einiges an Wissen verfügen. Bewerben Sie sich hingegen in einem anderen Krankenhaus, dann empfehle ich Ihnen eine fundierte Recherche.

Werden Sie sich klar darüber, was Ihnen an einer Assistenzarztstelle besonders wichtig ist. Dieser Prozess bestimmt maßgeblich, welche Fragen Sie beim Bewerbungsgespräch im Krankenhaus stellen sollten. Finden Sie bei Ihrer Recherche keinerlei Anhaltspunkte zu wichtigen Themen, ergeben sich so relevante Fragen.

An dieser Stelle bietet sich vor allem die Klinik-Website als Informationsquelle für das Vorstellungsgespräch an. Schauen Sie sich hier vor allem die verantwortlichen Ärzte an und merken Sie sich deren Namen. Wir Menschen mögen es, wenn man uns bei unserem Namen nennt.

3. Angemessenes Outfit

Kleider machen Leute”, sagt der Volksmund. Personalverantwortliche lernen mit der Zeit, vom äußeren Eindruck auf innere Eigenschaften zu schließen. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt derartiger Rückschlüsse sollten Sie jedoch Ihr Outfit nicht dem Zufall überlassen.

Grundsätzlich gilt für Ihr Outfit beim Vorstellungsgespräch als Assistenzarzt: Mit der Kleidung können Sie wenig gewinnen, aber viel verlieren. Orientieren Sie sich zum Beispiel an Ihrem Outfit aus dem mündlichen Examen. Auch wenn es altbacken klingt – halten Sie sich optisch besser an gewohnte Standards und überzeugen Sie inhaltlich. Damen sollten zum Vorstellungsgespräch im Krankenhaus folgende Kleidung tragen:

  • Ein Kostüm oder Hosenanzug
  • Eine Bluse mit zurückhaltendem Dekolleté
  • Rock mindestens knielang
  • Maximal leichte Absätze

Herren machen mit folgender Garderobe nichts verkehrt:

  • Anzug oder Hemd mit Sakko
  • Schicke Schuhe
  • Eine Krawatte kann, muss aber nicht

4. Nicht mit leeren Händen kommen

Ich meine damit weder Blumenstrauß noch Präsent. Ein Bewerbungsgespräch als Assistenzarzt dauert etwa eine bis zwei Stunden. Da ergeben sich in aller Regel für Sie einige Fragen und Aspekte, die es zu notieren gilt. Nehmen Sie also Stift und Papier mit. Darüber hinaus können Sie auf dem Notizblock Ihre vorbereiteten Fragen vermerken und vergessen keine.

Sie haben weitere Unterlagen, die zum Zeitpunkt Ihrer Bewerbung für die Assistenzarztstelle noch nicht vorhanden waren – beispielsweise das Examenszeugnis? Dann nehmen Sie diese unbedingt mit. Eine Ledertasche, ein Aktenkoffer oder eine hochwertige Bewerbungsmappe verhindern dabei, dass Sie den Raum als “Packesel” denn als Arzt betreten.

5. Selbstpräsentation üben

Es ist die Konstante in jedem Bewerbungsgespräch: die Selbstpräsentation. Üblicherweise folgt sie, nachdem sich Ihre Gastgeber vorgestellt haben. Jetzt gehört Ihnen die Bühne, um Ihre besonderen Stärken und Erfahrungen zu präsentieren. Schließlich werden Sie später auch als Assistenzarzt vor fremden Patienten stehen und in Kurzform ernste Diagnosen stellen. Doch fürchten Sie sich nicht: Die Selbstpräsentation können Sie üben.

Wie so oft im Leben liegt bei der Selbstpräsentation die Würze in der Kürze. Halten Sie keinen langen Monolog, sondern fokussieren Sie sich auf die für die Assistenzarztstelle wesentlichen Informationen. Am besten bauen Sie folgende Inhalte ein:

  • Ihren vollständigen Namen
  • Ihr Alter
  • Ihre Motivation, warum Sie Arzt werden wollten
  • Den Zeitpunkt Ihrer Approbation beziehungsweise den aktuellen Stand Ihrer Dissertation
  • Ihre wichtigsten beruflichen Stationen in Kürze
  • Und am wichtigsten: Ihre Motivation, warum Sie sich gerade in dieser Klinik beworben haben

Coaching für Ärzte

Foto von Niels C. Fleischhauer

6. Fragen und Antworten im ärztlichen Vorstellungsgespräch vorbereiten

Die Fragen in Bewerbungsgesprächen ähneln einander stark. Dies ermöglicht es Ihnen, entsprechende Antworten bereitzulegen. Rechnen Sie vor allem mit Fragen, die Bezug auf Ihr Bewerbungsschreiben als Assistenzarzt und Angaben in Ihrem medizinischen Lebenslauf nehmen. Beliebte Fragen im Vorstellungsgespräch handeln von Ihren Stärken und Schwächen als angehender Assistenzarzt. Weitere typische Fragen von Personalverantwortlichen lauten:

  • Wie würden Sie Kollegen beschreiben?
  • Welche Eigenschaften schätzen Sie an Ihrem Vorgesetzten?
  • Warum bewerben Sie sich gerade in unserem Haus?

Antworten Sie ehrlich und natürlich. Entgegen vieler Befürchtungen stellen diese Fragen keinen Test dar. Ihre Fachexpertise geht ja bereits aus Ihrer ärztlichen Bewerbungsmappe hervor. Vielmehr dienen Ihre Antworten auf die Fragen des Chefarztes im Vorstellungsgespräch zur Beurteilung Ihrer charakterlichen Eigenschaften als Krankenhausarzt. Doch nicht nur der Personalverantwortliche darf im Vorstellungsgespräch Fragen stellen.

7. Wichtige Informationen zur Stelle sammeln

Sie können und sollten unbedingt den Arbeitgeber auch selbst mit Fragen löchern. Dies macht auf Ihre Gesprächspartner einen selbstbewussten, engagierten Eindruck. Des Weiteren können Sie so entscheidende Informationen zu Ihren vorformulierten Fragen gewinnen – etwa:

Ist Ihr Bild vom Arbeitgeber noch nicht vollständig, so können Sie auch einen Hospitationstag vereinbaren. Bei diesem können Sie sich dann mit Ihren zukünftigen Kollegen unterhalten und einen ungeschönten Eindruck des Arbeitsalltags gewinnen. Vorrangig lohnt es sich, nachzuforschen, inwiefern im Krankenhaus geregelte Arbeitszeiten herrschen und wie viele Überstunden tatsächlich anfallen. Was der Chefarzt im Bewerbungsgespräch vielleicht noch verheimlichen konnte, tritt spätestens jetzt zutage.

8. Die nächsten Schritte vereinbaren

Es hat mich gefreut, Sie kennenzulernen.” Glauben Sie mir: Das Vorstellungsgespräch als Assistenzarzt wird schneller zu Ende gehen, als Sie es sich vorstellen können. Nun sollten Sie jedoch aufmerksam sein und die nächsten Schritte vereinbaren – zum Beispiel eine Hospitation, wenn Sie dies wünschen. 

Wir melden uns bei Ihnen” ist übrigens mehr als eine Standardfloskel des Arbeitgebers. Es werden sich neben Ihnen weitere Mediziner als Assistenzärzte beworben und Vorstellungsgespräche durchlaufen haben. Die Sichtung der Unterlagen, das Führen von Vorstellungsgesprächen und die Entscheidungsfindung benötigen einiges an Zeit. Erfragen Sie die voraussichtliche Wartezeit, falls der Personalverantwortliche diese von sich aus nicht genannt haben sollte. Auch Sie sollten übrigens offenlegen, falls Sie weitere Vorstellungsgespräche in anderen Krankenhäusern wahrnehmen werden. Dies hat den zusätzlichen Vorteil, dass Sie sich dadurch als gefragt präsentieren können.

9. Nach dem Vorstellungsgespräch ist vor dem Vorstellungsgespräch

Geschafft – kosten Sie dieses Gefühl aus. Lassen Sie Ihre Eindrücke sacken. Ärgern Sie sich dabei aber nicht zu sehr über mögliche kleine Patzer. Ich bin sicher, dass Sie Ihre Sache gut gemacht haben. Schließlich haben Sie mit diesem Artikel die wertvollsten Tipps erhalten.

Setzen Sie sich anschließend an die Analyse Ihres Vorstellungsgesprächs im Krankenhaus. Wie gut können Sie sich vorstellen, in dem Krankenhaus zu arbeiten? Sprechen Sie darüber auf jeden Fall mit Freunden oder Familie. Dies wird Ihnen bei der Einordnung der Eindrücke helfen. Am wichtigsten ist jedoch, dass Sie ein gutes Bauchgefühl bekommen.

Nehmen Sie in den folgenden Wochen am besten an Bewerbungsgesprächen in weiteren Krankenhäusern teil. Auf diese Weise fällt Ihnen die Beurteilung der einzelnen Arbeitsplatzangebote leichter. Sie haben Ihren Traumjob bereits gefunden? Dann rufen Sie den Personalverantwortlichen an, bedanken sich nochmals für das Gespräch und teilen diesem Ihre positive Entscheidung mit. Möglicherweise erhalten Sie in diesem Zuge gleich die gegenseitige Bestätigung.

Für Viele ist Warten das schlimmste. Besonders dann, wenn Sie eine Initiativbewerbung als Assistenzarzt abgeschickt haben, kann der Entscheidungsprozess mitunter einige Wochen in Anspruch nehmen. Wurde keine konkrete Zeitspanne genannt, in welcher sich der Arbeitgeber zurückmelden möchte, sollten Sie jedoch nach 14 Tagen nachhaken. Haben Sie zwischenzeitlich die Zusage von einem Arbeitgeber erhalten, so teilen Sie dies den anderen mit. Hierdurch erhöhen Sie den Druck auf die Entscheidungsfindung und stärken Ihre Verhandlungsposition – insbesondere in der Gehaltsfrage.

Persönliche Unterstützung bei Ihrem Vorstellungsgespräch als Assistenzarzt

Nun kennen Sie alle meine Ratschläge, damit Sie Ihre favorisierte Assistenzarztstelle erhalten. Sie sehen nun: Sie brauchen keine Angst vor diesem Termin zu haben. Er ist zwar entscheidend, aber auch planbar. Zudem gewinnen Sie mit steigender Anzahl absolvierter Vorstellungsgespräche eine gewisse Routine.

Sie sind sich dennoch unsicher oder wollen das Optimum aus Ihrem Bewerbungsgespräch im Krankenhaus herausholen? Dann kontaktieren Sie Ärzteglück. Eine spezialisierte Kollegin weiß, wie Sie im Vorstellungsgespräch überzeugen. Holen Sie sich Ihren Termin fürs Ärzteglück-Coaching.

Coaching für Ärzte

Foto von Niels C. Fleischhauer

Zusammenfassung: 9 Tipps für Ihr Vorstellungsgespräch als Assistenzarzt

  1. Sie haben die (Aus-)Wahl
  2. Sich gut über den Arbeitgeber informieren
  3. Angemessenes Outfit
  4. Nicht mit leeren Händen kommen
  5. Selbstpräsentation üben
  6. Fragen und Antworten im ärztlichen Vorstellungsgespräch vorbereiten
  7. Wichtige Informationen zur Stelle sammeln
  8. Die nächsten Schritte vereinbaren
  9. Nach dem Vorstellungsgespräch ist vor dem Vorstellungsgespräch

FAQ – häufigste Fragen und Antworten

  1. Wie kann ich meine Angst vor dem Vorstellungsgespräch als Assistenzarzt reduzieren?

    Gute Vorbereitung ist entscheidend. Wenn Sie typische Fragen kennen, Ihre Selbstpräsentation üben und sich über die Klinik informieren, verlieren viele Situationen ihren Schrecken.

  2. Was sollte ich über die Klinik vor dem Gespräch wissen?

    Wichtige Punkte sind Fachbereiche, Weiterbildungsangebote, Arbeitszeiten, Ruf der Klinik und mögliche Erfahrungsberichte von Mitarbeitern.

  3. Wie sollte ich mich zum Vorstellungsgespräch kleiden?

    Setzen Sie auf klassische, seriöse Kleidung. Ein konservativer Stil sorgt dafür, dass Sie inhaltlich überzeugen können, ohne durch Ihr Outfit negativ aufzufallen.

  4. Was gehört in eine gute Selbstpräsentation?

    Name, beruflicher Werdegang, Motivation für den Arztberuf und Gründe für Ihre Bewerbung bei genau dieser Klinik.

  5. Welche Fragen sollte ich im Gespräch vorbereiten?

    Fragen zu Weiterbildung, Arbeitszeiten, Teamstruktur, Diensten und Entwicklungsmöglichkeiten zeigen Interesse und helfen Ihnen bei der Entscheidung.

  6. Darf ich selbst viele Fragen stellen?

    Ja, und das ist sogar erwünscht. Eigene Fragen signalisieren Engagement und helfen Ihnen, die Stelle realistisch einzuschätzen.

  7. Wie gehe ich mit Fragen zu meinen Schwächen um?

    Antworten Sie ehrlich, reflektiert und lösungsorientiert. Zeigen Sie, dass Sie an sich arbeiten und sich weiterentwickeln möchten.

  8. Was sollte ich zum Gespräch mitbringen?

    Notizen, vorbereitete Fragen sowie relevante Unterlagen wie Zeugnisse oder Nachweise, die bei der Bewerbung noch gefehlt haben.

  9. Wie verhalte ich mich nach dem Vorstellungsgespräch?

    Reflektieren Sie Ihre Eindrücke, vergleichen Sie verschiedene Angebote und melden Sie sich bei Interesse aktiv zurück.

  10. Wann sollte ich nachhaken, wenn keine Rückmeldung kommt?

    Wenn keine Frist genannt wurde, ist eine Nachfrage nach etwa zwei Wochen sinnvoll.

  11. Solltich mehrere Vorstellungsgespräche führen?

    Ja, mehrere Gespräche helfen Ihnen, den Markt besser zu verstehen und die passende Stelle zu finden.

  12. Woher stammen die Informationen und Erfahrungswerte in diesem Beitrag?

    Neben den im Text genannten Quellen stammen die Informationen und Erfahrungswerte von Niels C. Fleischhauer, dem Inhaber von Ärzteglück. Er hat als Coach mehr als 200 Assistenzärzte auch auf Vorstellungsgespräche vorbereitet.

Über den Autor

Autoren-Profilbild

Niels C. Fleischhauer (M.A.) hat Ärzteglück 2020 gegründet. Seine Expertise liegt auf den Gebieten Ärztevermittlung in die Schweiz, Coaching und Gründungs-, Praxis- sowie Unternehmensberatung für Ärzte. Er verfügt über den Abschluss Master of Arts im kommunikationswissenschaftlichen Bereich.

Weitere spannende Beiträge