Schick gekleidete Frau sitzt vor einem langen Tisch
Niels C. Fleischhauer

Niels C. Fleischhauer

Die Facharztprüfung – und was Sie unbedingt darüber wissen sollten

Für die einen bildet sie den krönenden Abschluss der Facharztweiterbildung und für die anderen eine große Hürde: die Facharztprüfung. Ohne Frage stellt sie eine entscheidende Station in der ärztlichen Laufbahn dar und eröffnet viele Karrieremöglichkeiten. Empfinden Sie beim Gedanken an die Facharztprüfung Vorfreude; oder ist Ihnen eher mulmig zumute?

Nachfolgend erfahren Sie alles, was Sie unbedingt über die Facharztprüfung wissen sollten. Ich gebe Ihnen erprobte Tipps, damit Sie diese wichtige Aufgabe erfolgreich bewältigen. Weiterhin zeige ich Ihnen, wer Sie bei der Vorbereitung auf die Facharztprüfung tatkräftig unterstützt. Schlussendlich stelle ich Ihnen spannende berufliche Perspektiven vor, die Sie als frisch gebackener Facharzt erwarten.

Was ist die Facharztprüfung?

Die Facharztprüfung ist die Abschlussprüfung der Facharztausbildung und findet in mündlicher Form statt. Dabei wird überprüft, ob Sie über die Facharztreife verfügen, also eigenverantwortlich Patienten in Ihrem Fachgebiet diagnostizieren und therapieren können. Diese Eignung wird auch als “Facharztstandard” bezeichnet.

Organisiert wird die Facharztprüfung von der Landesärztekammer, in welcher Sie Mitglied sind. Nach bestandener Facharztprüfung erhalten Sie die Facharzturkunde, mit der Sie Ihre Facharztbezeichnung nachweisen können. Zuletzt erfolgten binnen eines Jahres 14.099 Facharztanerkennungen, was den steten Aufwärtstrend der vergangenen Jahrzehnte fortsetzt.

Wenn man je sechs Jahre Weiterbildungszeit und Regelstudienzeit ansetzt, haben Ärzte nach der Facharztprüfung ein Vierteljahrhundert des aufbauenden Bildungsweges absolviert. Die meisten Kollegen werden aber in Wirklichkeit eher bei um die 30 Jahre (!) landen – eine beeindruckende Zahl, wie ich finde; und diese Entwicklung scheint sich angesichts von Teilzeit-Anstellungen und häufigeren Wechseln der Facharztrichtung weiter zu verstärken. 

Voraussetzungen und Anmeldung

In Deutschland geschieht überspitzt formuliert nichts ohne Antrag – so auch im Vorfeld der Facharztprüfung. Den Antrag auf Durchführung einer Facharztprüfung stellen Sie in der Prüfungsabteilung Ihrer zuständigen Landesärztekammer. Die Frist beträgt im Regelfall mindestens zwei Monate. Tatsächlich erhalten Sie Ihren Termin allerdings je nach Landesärztekammer eher mit einer Vorlaufzeit von drei bis vier Monaten. In Bremen kann es sogar bis zu einem halben Jahr dauern.

Folgende Unterlagen sollten Sie bei Ihrer Landesärztekammer einreichen:

  • Antragsformular
    Achten Sie darauf, dass Sie alle geforderten Angaben gemacht haben.
  • Logbuch
    Es sollte vollständig unterschrieben sein und gegebenenfalls auch den OP-Katalog beinhalten. So können Sie nachweisen, dass Sie die notwendigen Weiterbildungsinhalte abgeschlossen haben.
  • Facharztzeugnis
    Dieses stellt Ihnen der ausbildende Arzt aus. Darin wird beurteilt, ob Sie sich fachlich und persönlich als Facharzt eignen. In gewissem Sinne handelt es sich hierbei um ein Empfehlungsschreiben für die Teilnahme an der Facharztprüfung. Auch Fehlzeiten, Orte der Weiterbildung und die Zusammenfassung der erbrachten Leistungen sind darin festgehalten.
  • Zeugnisse aller Abschnitte der Weiterbildung
    Sie sollten von allen Ärzten unterschrieben werden, die im entsprechenden Abschnitt zur Weiterbildung befugt sind.
  • Kursbescheinigungen
    Dies umfasst nur jene Kurse, die in der Weiterbildungsordnung vorgeschrieben sind – zum Beispiel die Fachkunde Strahlenschutz.
  • Approbationsurkunde
  • Promotionsurkunde – falls promoviert
  • Je nach Landesärztekammer kommen weitere Unterlagen hinzu – etwa ein Rotationsplan oder Lebenslauf.

Ablauf und Dauer der Facharztprüfung

Spätestens zwei Wochen vor dem Prüfungstermin erhalten Sie von Ihrer Landesärztekammer eine offizielle Einladung per Post. Mit etwas Glück wird darin bereits das Prüfungskomitee namentlich genannt. Das kann Ihnen zum Vorteil gereichen, wie Sie später noch lesen werden.

Am Prüfungstag lernen Sie das Prüfungskomitee persönlich kennen. Es besteht aus dem Vorsitzenden und zwei bis drei Prüfern. Alle Mitglieder des Prüfungskomitees sind selbst Fachärzte der zu prüfenden Fachrichtung. Außer ihnen und dem Prüfling ist niemand anwesend.

Die erste Amtshandlung des Prüfungskomitees liegt gleich zu Beginn der Prüfung darin, Ihre Identität festzustellen. Bringen Sie also unbedingt ein Ausweisdokument mit. Anschließend stellt der Vorsitzende den Ablauf der Facharztprüfung vor. Er wird Sie außerdem fragen, ob Sie bereit für die Prüfung sind. Gelegentlich bitte man Sie um Ihr Einverständnis, dass die Facharztprüfung aufgezeichnet wird. Eine Zustimmung ist freiwillig.

Im weiteren Verlauf der Prüfung stellen die Mitglieder des Prüfungskomitees unterschiedliche Fragen zu Ihrem Fachgebiet. Doch die Fragen können sich auch auf medizinisches Grundlagenwissen beziehen – beispielhaft Anatomie, Medizinethik oder Pathogenese. Hinzu kommen Praxisbeispiele und Befunde wie Röntgenaufnahmen oder Labordaten, um die Aufgaben praxistauglich zu gestalten. Schauen Sie sich dazu gerne die folgenden Beispielfälle aus Facharztprüfungen der jüngeren Vergangenheit an:

FachbereichAufgabe
AllgemeinmedizinEine etwa 40 Jahre alte Patientin kommt in die Sprechstunde. Sie klagt über Abgeschlagenheit und Müdigkeit, welche bereits seit einigen Wochen bestehen. Wie gehen Sie vor?
Orthopädie und UnfallchirurgieEin sportlicher, 31 Jahre junger Mann kommt in Ihre Sprechstunde. Vor sieben Monaten ist er beim Surfen in Brasilien verunfallt und hat sich den Unterschenkel gebrochen. Die Verletzung wurde noch in Brasilien versorgt. Trotz Rehabilitation kann er noch nicht wieder richtig laufen. Sehen Sie sich die Röntgenbilder an. Was sehen Sie?
Gynäkologie und GeburtshilfeEine knapp 60 Jahre alte Patientin hat in ihrer rechten Brust eine Verhärtung ertastet. Wie gehen Sie hier vor?
Beispielaufgaben aus der Facharztprüfung

Die Facharztprüfung dauert nicht länger als 30 bis 45 Minuten – inklusive Formalien. Das ist für viele überraschend kurz. Die Fallbeispiele an sich benötigen oft nicht mehr als 20 Minuten. Daher kann auch nur ein Bruchteil dessen thematisiert werden, was Ihr Fachgebiet beinhaltet.

Direkt im Anschluss an die Facharztprüfung folgt eine kurze Beratung des Prüfungskomitees, ob Sie bestanden haben oder durchgefallen sind. Im Falle einer Stimmengleichheit besitzt die Stimme des Vorsitzenden entscheidenden Charakter. Danach erfahren Sie das Ergebnis. Im Erfolgsfall wird Ihnen sofort vom Vorsitzenden die ersehnte Facharzturkunde ausgehändigt.

Die Kosten für die Facharztprüfung sind insgesamt sehr gering. Sie belaufen sich auf nur 100 bis 260 Euro – je nach Landesärztekammer. Den Betrag begleichen Sie nach Erhalt der Rechnung. Die Absage eines Prüfungstermins kann übrigens auch Kosten verursachen. Wir reden hier von 50 bis 75 Euro.

Die wichtigsten Tipps zum Bestehen der Facharztprüfung

Das Schöne ist, dass Facharztprüfungen sehr vergleichbar ablaufen und tausende Erfahrungsberichte abgerufen werden können. Damit auch Sie Ihre Facharztprüfung bestehen, listen wir Ihnen hier unsere wichtigsten Ratschläge zur Vorbereitung auf:

  • Checklisten, Repetitorien und Fallbücher bilden ein solides Wissensfundament. Hier finden Sie beispielsweise entsprechende Werke.
  • Bei MEDI-LEARN können Sie Prüfungsprotokolle vergangener Facharztprüfungen einsehen. Falls Sie bereits die Namen Ihrer Prüfer erfahren haben, können Sie hier gezielt nach diesen Personen suchen. Achten Sie auch darauf, ob ein Prüfer lieber ausführliche oder kurze Antworten wünscht.
  • Tauschen Sie sich mit Bekannten, Kollegen oder anderen Prüfern aus.
  • Belegen Sie Simulationskurse.
  • Erlernen Sie Techniken zur Stressbewältigung und mentalen Entspannung.
  • Planen Sie mehr Zeit für die Anfahrt ein. Schlimmstenfalls nutzen Sie die 20 Minuten Wartezeit, um sich vor Ort zu akklimatisieren.
  • Sprechen Sie eine mögliche Prüfungsangst oder große Nervosität offen an. So können Sie das erste Eis brechen und das Herz so manchen Prüfers erwärmen.
  • Erinnern Sie sich an Heinrich von Kleists “Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden”. Es spricht nichts dagegen und sogar einiges dafür, die Prüfer an den eigenen Gedankengängen teilhaben zu lassen. Sie gewinnen Sicherheit, je mehr Zeit Sie sich für eine Antwort nehmen. Zudem bleibt dann weniger Zeit für andere, möglicherweise kritische Frage. Merken Sie sich: Die Zeit ist Ihr Freund.
  • Geben Sie ehrlich zu, wenn Ihnen gerade nichts einfällt. Kündigen Sie an, kurz nachdenken zu wollen. Das ist völlig legitim.
  • Sie dürfen auch selbst Fragen stellen. Auf diese Weise gewährleisten Sie eine vollständige Anamnese und vermeiden falsche Vorannahmen.
  • Auch ein Prüfer liegt ab und zu falsch. Doch sollten Sie sich deswegen nicht in eine Diskussion mit diesem begeben – auch wenn es schwerfällt. Das wäre taktisch unklug.

Die genannten Tipps stellen nur einen Auszug dar. Eine individuelle Vorbereitung erhalten Sie im kollegialen Ärzte-Coaching. Insbesondere Ihre persönlichen Stärken und Schwächen sollten einfließen, damit Sie die Facharztprüfung souverän meistern.

Was tun, wenn man die Facharztprüfung nicht bestanden hat?

Manchmal hat man Pech mit den Fragen oder Prüfern. Auch soll es vorgekommen sein, dass ein Arzt zu wenig gelernt hat und deswegen bei der Facharztprüfung durchgefallen ist. Wie dem auch sei – eine nicht bestandene Facharztprüfung ist kein Beinbruch und kommt in den besten Häusern vor. So liegt die Durchfallquote bei der Facharztprüfung im Gebiet der Ärztekammer Nordrhein beispielsweise bei 4,7 Prozent – gemittelt über alle Facharztausbildungen. Die Neurologie scheint mit knapp 10 Prozent etwas schwieriger und die Allgemeinmedizin mit 2,6 Prozent etwas leichter zu sein.

Was passiert nun also, wenn man bei der Facharztprüfung durchgefallen ist? Zunächst erhält man statt der Facharzturkunde eine schriftliche Begründung, warum man die Facharztprüfung nicht bestanden hat. Ergänzend findet sich darin gelegentlich Auflagen, welche bis zu einem Wiederholungstermin erfüllt sein soll. Diese Auflagen nach einer nicht bestandenen Facharztprüfung stellen ein häufiges Ärgernis dar, weil sie die neuerliche Prüfung zeitlich verzögern können. Gegebenenfalls kann eine juristische Anfechtung sinnvoll sein – etwa dann, wenn unzulässiger Stoff oder eine unsachliche Äußerung eines Prüfers vorgekommen ist.

Viele Ärzte fragen sich, wie oft man eine nicht bestandene Facharztprüfung wiederholen darf und wie viele Versuche man insgesamt hat. Hier kann ich sogleich beruhigen. Bei der Anzahl an Prüfungsterminen gibt es keine Begrenzung. Sie können die Facharztprüfung beliebig oft wiederholen. Wenden Sie sich dazu wieder an die Prüfungsabteilung Ihrer Landesärztekammer und beantragen Sie einen neuen Termin.

Berufliche Perspektiven als Facharzt

Sie haben Ihre Facharztprüfung bestanden? Dann gratuliere ich Ihnen herzlich. Das sollten Sie jetzt erst einmal ausgiebig feiern. Anschließend dürften die weiteren (attraktiven) beruflichen Perspektiven für Sie von großem Interesse sein.

Mit einer Facharztbezeichnung sind Sie dazu berechtigt, als Vertragsarzt mit den gesetzlichen Krankenkassen abzurechnen, also Kassenarzt zu werden. Das ist jedoch heutzutage aus in der Öffentlichkeit oft thematisierten Gründen nicht mehr ganz so beliebt wie früher. So steigt selbst in Köln die Zahl vertragsärztlicher Hausarztpraxen, welche keinen Nachfolger finden. Zum Glück gibt es jedoch abseits davon jede Menge weiterer Entwicklungsmöglichkeiten für Fachärzte. Sie können beispielsweise

Diese und weitere spannende Perspektiven nach bestandener Facharztprüfung stelle ich in einem eigenen Blog-Beitrag vor. Zudem hilft Ihnen das kollegiale Coaching von Ärzteglück. Dabei finden Sie genau den beruflichen Weg, der Sie dauerhaft glücklich macht.

Als Facharzt durchstarten

Die Facharztprüfung ist kein Hexenwerk. Sie können sich gut darauf vorbereiten. Und selbst wenn Sie bei der Facharztprüfung durchgefallen sein sollten, wissen Sie nun, was Sie als nächstes tun können.

Wenn Sie angesichts der Prüfungssituation unsicher sind oder wissen wollen, wie es nach bestandener Facharztprüfung weitergeht, hilft Ihnen Ärzteglück. Eine ärztliche Kollegin mit mehr als zwölf Jahren Coaching-Erfahrung unterstützt Sie. Gemeinsam finden Sie heraus, welche berufliche Perspektive – an die Sie vielleicht noch gar nicht gedacht haben – genau die richtige für Sie ist. Wir wollen, dass Sie Ihren Arztberuf lieben. Also melden Sie sich bei uns – am besten rechtzeitig vor dem Prüfungstermin.

Zusammenfassung: die wichtigsten Tipps zum Bestehen der Facharztprüfung

  • Checklisten, Repetitorien und Fallbücher lesen
  • Prüfungsprotokolle einsehen.
  • Mit Bekannten, Kollegen oder Prüfern austauschen
  • Simulationskurse belegen
  • Techniken zur Stressbewältigung und mentalen Entspannung erlernen
  • Mehr Zeit einplanen
  • Offen mit Prüfungsangst oder Nervosität umgehen
  • Die Prüfer an den eigenen Gedankengängen teilhaben lassen
  • Eingestehen, wenn Ihnen gerade nichts einfällt
  • Fragen stellen
  • Nicht mit dem Prüfer diskutieren

Über den Autor

Niels C. Fleischhauer

Niels C. Fleischhauer

Inhaber von Ärzteglück

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