Porträt von Diana Runge
Niels C. Fleischhauer

Niels C. Fleischhauer

Wie wird man Chefarzt? Die 6 Voraussetzungen, um ein guter Chefarzt zu werden

Cholerisch, inspirierend, autistisch, genial oder machthungrig – Chefärzten werden verschiedenste Attribute zugeschrieben. Doch eines steht fest: Sie besetzen eine der anspruchsvollsten Positionen, die es gibt; und sie sind prägende Persönlichkeiten. Welcher Typus wollen Sie sein; und haben Sie das Zeug zum Chefarzt?

Chefärzte-Coach Diana Runge hat unzählige von ihnen begleitet. In diesem wichtigen Beitrag verrät sie, wie man ein guter Chefarzt wird und welche sechs entscheidenden Voraussetzungen dafür notwendig sind. Zudem erfahren Sie, welche Rolle dabei die passende Chefarztstelle spielt.

1. Medizinisches Fachwissen

Die erste Voraussetzung, um ein guter Chefarzt zu werden, ist keine Überraschung: Sie benötigen hervorragende medizinische Fachkenntnisse. Das dürfte die wenigsten Mediziner vor Probleme stellen. Schließlich ist der Karriereweg als Arzt gefüllt mit Fachwissen, welches er auf unterschiedlichen Stufen erlangt:

  • im Studium,
  • bei einer möglichen Promotion,
  • während der Facharztweiterbildung,
  • mit Zusatzqualifikationen,
  • bei der Schwerpunktsetzung,
  • im Zuge einer Habilitation
  • oder gar mit einer Professur.

Achten Sie also stets darauf, Ihr Wissensgebiet zu erweitern oder zu spezialisieren. Sie können auf beiden Wegen zum Ziel gelangen. Während beispielsweise in der Forschung das Hauptaugenmerk auf der Wissensvertiefung liegt, punkten internistische Akut-Chefärzte eher mit ihrem breiten Erfahrungsschatz.

2. Führungsstärke und weitere soziale Kompetenzen

Das Wort “Chefarzt” beinhaltet neben der ärztlichen Bezeichnung auch das Wort “Chef”. Beide Bestandteile spielen im Berufsalltag des Chefarztes eine gleichermaßen große Rolle. Frau Runge bemängelt, dass diese Erkenntnis auf Klinikseite oftmals zu wenig Berücksichtigung findet: “Chefärztinnen und Chefärzte werden vielfach alleine gelassen mit der Führungsthematik”.

Doch was braucht man, um ein führungsstarker Chefarzt zu werden? “Die Mitarbeiter fordern und fördern, die Klinik weiterentwickeln, eine gelungene Kommunikation mit der Geschäftsführung sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen erfordern Geschick und Klarheit”, beschreibt Diana Runge die Herausforderung. Gefragt sind Führungskompetenzen. Hierzu gehören insbesondere Entscheidungsfreude, Zielsetzung, Ergebnisorientierung, Delegation und die Einnahme einer Vorbildfunktion.

Gerade die sozialen Kompetenzen – die sogenannten “Soft Skills” – stellen viele Chefärzte vor große Probleme. Dazu zählt Chefärzte-Coach Runge vor allem “Kooperationsfähigkeit, Konfliktverhalten, Vertrauen, Verantwortung übernehmen, Empathie, Patientenorientierung, Eigenmotivation, Zuverlässigkeit, Belastbarkeit”. Doch sie sind es, die das unsichtbare Bindeglied zwischen Abteilung und Leitungsebene, zwischen Patienten und Ärzteschaft darstellen. Fehlt dieser Kitt, so können Sie Ihre Chefarztposition kaum erfolgreich und glücklich ausfüllen.

3. Methodenkompetenzen eines Managers

Die Aufgaben eines Chefarztes ähneln stark denen eines Managers der freien Wirtschaft. Dementsprechend sollten Sie als Chefarzt unternehmerische Voraussetzungen erfüllen. Dazu zählen im Besonderen strategisches Denken und Handeln, die Priorisierung von Aufgaben und eine analytische Arbeitsweise.

Auch Methodenkompetenzen gehören zum obligatorischen Repertoire eines guten Chefarztes. “Zeitmanagement, Moderationsfähigkeiten, Projektmanagement (klassisch und agil), Organisationstalent, Problemlösungskompetenz” benennt Frau Runge als die notwendigen Fähigkeiten. Schließlich führen Sie Ihre Abteilung ähnlich wie ein eigenes Unternehmen. Ansonsten drohen Sie außerdem, als Chefarzt in die Falle der üblicherweise extrem langen Arbeitszeiten zu geraten.

4. Eine gefestigte Persönlichkeit

Bei der Frage, wie man ein (guter) Chefarzt wird, spielt die Persönlichkeit eine wesentliche Rolle. So stellt Resilienz eine jener Voraussetzungen dar, ohne die man sicherlich gar nicht erst die Facharztweiterbildung überstehen würde. Mit Fortschreiten der Mediziner-Karriere steigt im Regelfall Ihr Bewusstsein für Ihre Widerstandsfähigkeit bei Stress und in kritischen Situationen.

Folglich lernen Ärzte im Laufe der Zeit ihre Selbstwirksamkeit kennen. Gute Chefärzte wissen, dass sie keine Opfer äußerer Umstände sind, sondern das Zepter des Handelns in eigenen Händen halten. Wenn Sie Ihre Abteilung nicht zum Erfolg führen, wird es keiner tun.

Förderlich sind weiterhin ein großes Maß an Selbstvertrauen, “um auch in schwierigen Situationen oder kritischen Gesprächen eine gewisse Gelassenheit zu zeigen (in dem Wissen, getan zu haben, was zu diesem Zeitpunkt in der eigenen Macht stand)”, wie es Diana Runge formuliert. Sie befinden sich als Chefarzt zwar in einer machtvollen Position; doch zugleich gibt es viele neben Ihnen und darüber hinaus noch eine geschäftsführende Ebene, welche im Zweifel das letzte Wort hat.

5. Begeisterung für den Arztberuf

Die Stellung als Chefarzt ist sowohl eine große Bürde, als auch ein Privileg. In wohl keiner anderen ärztlichen Beschäftigung genießen Sie ein derart hohes Ansehen unter Kollegen und Patienten – vom Chefarztgehalt ganz zu schweigen. Frau Runge empfiehlt Chefärzten daher Demut und Dankbarkeit “für kleine und große Erfolge, für Menschen und Begegnungen”.

Ihre Einstellung als Chefarzt zum Beruf wirkt sich auf die nachgeordneten Ärzte aus. Wir alle wissen, wie prägend die Launen von Vorgesetzten für unser Arbeiten sein können. Doch auch Ihre Begeisterung für den Arztberuf kann ansteckend wirken. Ärzte-Coach Runge empfiehlt Chefärzten aus diesem Grund die Pflege einer “Liebe zum Menschen und Eigenliebe”. Letztere habe “nichts mit dem berühmten Narzissmus zu tun, sondern mit einer Sorge nicht nur für andere, sondern auch für sich selbst, um die eigenen Grenzen nicht zu sprengen und die eigene Gesundheit zu achten”. So werden Sie der Chefarzt, welchen Sie sich früher immer gewünscht haben – und gehen mit gutem Beispiel voran.

6. Gute Kontakte

Wie Sie sich vorstellen können – und vielleicht haben Sie selbst bereits diese Erfahrung gemacht –, benötigt es einige Zeit, bis man Chefarzt wird. Zunächst ist der Aufstieg in den Chefarztposten kein Vorgang, welcher über Nacht geschieht; und das ist auch gut so. Schließlich gilt es, die hier geschilderten Voraussetzungen zu erfüllen oder wenigstens daran zu arbeiten. Mir sind einige Fälle bekannt, in welchen Chefärzte ihre Position relativ überraschend und unvorbereitet erlangt haben. Sie waren nicht lange glücklich damit.

Hinzu kommt noch, dass Chefarztstellen in vielen Fachbereichen über Jahre belegt sind und Chefärzte mitunter ein hohes Alter erreichen können. Zum Beispiel hängt vielen Chefärzten der Gynäkologie der Ruf nach, sie würden eher in ihrem Amt versterben, denn zu kündigen. Doch wie kann man in solchen Fachbereichen dann überhaupt Chefarzt werden? Die Antwort lautet: Es bedarf einer längerfristigen strategischen Karriereplanung und der Ausnutzung ärztlicher Aufstiegschancen sowie Karrieremöglichkeiten.

Ein starkes, über mehrere Jahre hinweg aufgebautes Netzwerk kann Ihnen gute Dienste leisten. Pflegen Sie einen lebendigen Kontakt zu Fachverbänden, Klinikleitungen oder LinkedIn-Bekanntschaften. Auf diese Weise erfahren Sie frühzeitig von potenziell vakanten Chefarztposten oder werden bei dessen Nachbesetzung bedacht. Auch ist es sinnvoll, wenn Sie bereits Ihre Oberarztstelle so wählen, dass Sie sich als möglicher Nachfolger des scheidenden Chefarztes positionieren können. Ihr Ziel sollte es immer sein, sich bereits im Gespräch zu befinden, bevor die Chefarztstelle vakant wird.

Fähigkeiten, die sich erlernen lassen

Die Hürden sind zugegebenermaßen hoch. Doch Sie brauchen nicht den Kopf in den Sand zu stecken, weil Sie manche Voraussetzungen für Chefärzte (noch) nicht erfüllen. Daher lässt sich auch die Frage, wie lange man braucht, um ein guter Chefarzt zu werden, nicht pauschal beantworten. Manche werden es nie sein, weil sie sich nicht weiterentwickeln und nicht reflektieren. Doch Sie können indessen Ihrem Glück nachhelfen.

Ihr erster Ansprechpartner könnte hier Ihr Arbeitgeber sein. Die Klinik habe nämlich “ein Interesse daran, die eigenen Mitarbeiter zu fördern”, weiß Diana Runge. “Oft bietet die Klinik interne Fortbildungen an oder arbeitet mit speziellen Akademien zusammen für Führungskräfte- oder Coaching-Angebote”. Zur Entwicklung von beispielsweise betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten eignen sich berufsbegleitende Bachelor- oder Master-Studiengänge. Ein angemessener Anlass zur Besprechung von Weiterbildungsmöglichkeiten ist vor allem das Personalentwicklungsgespräch.

Auch der “Peer-Austausch unter Kollegen” habe sich bewährt, wie Chefärzte-Coach Runge feststellt. “Die Offenheit und das Vertrauen” unter Gleichgesinnten würden dabei helfen, “sich gegenseitig zu unterstützen”. Sie werden nicht der einzige Mediziner mit Ihren spezifischen Herausforderungen sein. Es spricht nichts dagegen, sich erprobte Ideen und Lösungsvorschläge von Kollegen zu holen.

Insbesondere in Sachen Führungskompetenzen scheinen Chefärzte traditionell Nachholbedarf zu haben. So hat die Bundesärztekammer ein eigenes Curriculum Ärztliche Führung (externer Link) herausgegeben, welches 80 Unterrichtseinheiten umfasst. “Allein an der Zahl […] lässt sich ablesen, dass das Thema Führung besonderer Aufmerksamkeit bedarf”, unterstreicht Frau Runge dessen große Bedeutung.

Nicht zuletzt können Sie sich an Chefärzte-Coaches wie Diana Runge wenden. In einem solchen Coaching erfahren Sie, welche Voraussetzungen Ihnen als Chefarzt womöglich fehlen. Zudem können Sie in geschützter Umgebung Wissenslücken schließen und wesentliche Kompetenzen erlernen.

Es lohnt sich, Chefarzt zu werden

Zwischen Medizin und Management zu stehen, zwischen ‘Geld und Gesundheit’ die Balance zu finden”, sei zunehmend herausfordernd, resümiert Diana Runge. Hinzu kommen “zunehmender wirtschaftlicher Druck, vermehrte Verwaltungstätigkeiten, weniger Zeit für den Patienten bei gleichzeitig teilweise aufwändigeren Operationen”. Entwicklungen wie Digitalisierung, Telemedizin und interdisziplinäre Arbeit erhöhen im Berufsbild des Chefarztes zusätzlich die Komplexität.

Dennoch wollen wir hier ein klares Plädoyer für die Wahl des Chefarzt-Berufes aussprechen. Gemäß Frau Runge zeichnen sich gute Chefärzte vor allem durch folgende Eigenschaften aus: “sich für die Gesundheit einsetzen, Mitarbeiter führen, ausbilden und weiterentwickeln, […] so zu führen und zu kommunizieren, dass Sie Ihr Team begeistern, um jedes Ziel zu erreichen, und eine exzellente Patientenversorgung zu bieten”. Wenn Sie Ihre Arbeit auf die richtige Weise gestalten und ausüben, “so haben Sie eine Arbeit, auf die Sie sich täglich freuen können”, versichert sie.

Die perfekte Chefarztstelle finden

Nun kennen Sie die Voraussetzungen und wissen, wie man ein guter Chefarzt wird – zumindest theoretisch. Sie haben außerdem gesehen, wie Sie eventuell fehlende Fähigkeiten und Kenntnisse ausbilden können. Die praktische Eignung jedoch können Sie sich nur im Amt holen.

Selbst der beste Chefarzt kann am falschen Platz nicht viel bewirken. Daher finden wir die Chefarztstelle, mit der Sie dauerhaft glücklich sind. Melden Sie sich bei uns. Wir wollen, dass Sie Ihren Arztberuf lieben und der Chefarzt werden, welchen Sie sich früher immer gewünscht haben.

Porträt von Diana Runge
Ob Fachkräftemangel, wirtschaftlicher Druck oder Zeitknappheit – Diana Runge (auch bekannt als “Ressourcen-Detektivin”) coacht Chefärzte erfolgreich online. Sie hat über 20 Jahre Führungs- und Projekterfahrung in Mitarbeiterführung und -entwicklung, Risiko- und Qualitätsmanagement. Weitere Informationen finden Sie auf ihrer Website (externer Link).

Über den Autor

Niels C. Fleischhauer

Niels C. Fleischhauer

Inhaber von Ärzteglück

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