Porträtfoto von Dr. Denise Julia Herzog
Bild von Niels C. Fleischhauer (M.A.)

Niels C. Fleischhauer (M.A.)

Kinder während der Facharztausbildung: Assistenzärztin und Mutter sein

Kinder oder Karriere – entscheiden Sie sich.” Vor diese unfaire Wahl werden Ärzte auch heutzutage immer noch allzu oft gestellt. Insbesondere Mütter hadern mit dieser Entscheidung, bei der es keine richtige zu geben scheint. Sie fragen sich zu Recht: Kann man nicht beides miteinander vereinbaren?

Die Stress-Expertin Dr. Denise Julia Herzog war selbst Assistenzärztin und Mutter und hat während ihrer Facharztausbildung vier glückliche Kinder großgezogen. Hier gibt die Chirurgin wertvolle Tipps für Assistenzärzte, wie auch Sie beides haben können: privates und berufliches Glück. Am Ende erfahren Sie außerdem, wer Sie auf dem Weg zu Ihrer familiengerechten Facharztweiterbildung unterstützt.

Coaching für Ärzte

Foto von Niels C. Fleischhauer

Fachärztin für Allgemeinchirurgie mit vier Kindern

2007 begann Frau Dr. Herzog ihre Facharztweiterbildung in der Allgemeinchirurgie. Zu Beginn beschritt sie den eher klassischen Karriereweg als Ärztin; denn sie wollte unbedingt Chirurgin werden. Doch irgendwann nahm der Wunsch der jungen Assistenzärztin zu, eine Familie zu gründen. Sie fasste den Entschluss, Assistenzärztin und Mutter zu sein. Sie wollte beides miteinander vereinbaren und wurde während der Facharztausbildung schwanger.

Es folgten 13 unschätzbare Jahre, in denen das Leben Frau Dr. Herzogs immer reichhaltiger wurde: Sie brachte vier Söhne zur Welt; die ganze Familie nahm ein komplettes Jahr Auszeit in Argentinien; und sie absolvierte die Facharztprüfung. Sie beendete erfolgreich eine Weiterbildung, welche man berechtigterweise zu den schwierigsten Fachrichtungen der Medizin zählen kann. Wie hat es die Chirurgin Dr. Herzog geschafft, während der Facharztausbildung vier Kinder großzuziehen und ihren Facharzt erfolgreich abzuschließen?

Frau Dr. Herzogs privater und beruflicher Erfolg war beileibe kein Selbstläufer. “Vorwegnehmen darf ich an dieser Stelle, dass mein Mann in der Wirtschaft tätig ist. Dieser Umstand hat uns das Leben im Vergleich zu reinen ‘Ärzteeltern’ schon sehr vereinfacht”, stellt sie klar. Die flexible Arbeitszeitgestaltung, freien Wochenenden und die Option zur Arbeit im Homeoffice machten ihren Gatten zu einem unverzichtbaren Partner. Erfolgreich Assistenzärztin und gleichzeitig Mutter zu sein, hängt also zunächst maßgeblich vom Beruf des Partners ab.

Kinderbetreuung

Während der letzten Jahre haben mein Mann und ich unterschiedlichste Modelle der Kinderbetreuung gelebt. Diese waren jeweils an das Alter der Kinder und der Arbeitssituation von uns angepasst”, berichtet Stress-Expertin Dr. Herzog. “Unsere größte Hilfe waren unsere Au-pairs. Sie haben es mir ermöglicht, morgens stressfrei um 7 Uhr in der Klinik starten zu können und meine Arbeit in Ruhe nachmittags erledigen zu können. Ich wusste, dass meine Kinder jeden Tag um 15:30 Uhr abgeholt wurden und dann im Park auf dem Spielplatz ihren Nachmittag verbringen konnten. Ich hatte keinen Druck wegen der Schließzeit der Kita hierdurch. Zusätzlich haben uns die Großeltern sehr unterstützt.

Auch der Arbeitgeber von Frau Dr. Herzog trug mit dem Angebot einer eigenen Kita seinen Teil dazu bei, das junge Familienglück zu fördern: “In Zeiten ohne Au-pair konnten die Kids dort auch mal bis 17:30 Uhr bleiben, ohne dass man komisch angeschaut wird.” Das wäre bei der kommunalen Versorgung noch ganz anders gewesen: In der städtischen Kita waren unsere Kinder immer die letzten”, was beiden Seiten – Kindern und Eltern – nicht gutgetan hätte.

Ärztin und Mutter in Teilzeit

Um die richtige Work-Life-Balance zwischen dem Arztberuf im Krankenhaus und der Familie zu finden, fragte sich Chirurgin Dr. Herzog schon früh: Kann man als Assistenzarzt nicht auch in Teilzeit arbeiten? Gesagt, getan – fortan absolvierte sie ihre Facharztausbildung als schwangere Assistenzärztin in Teilzeit. Diese nahm mit 13 Jahren – inklusive Beschäftigungsverbot, Elternzeit und einjährigem Aufenthalt in Argentinien – freilich deutlich mehr Zeit in Anspruch; doch immerhin konnte sie auf diese Weise als Ärztin vier Kinder bekommen und gemeinsam mit ihrem Partner großziehen.

Paradoxerweise empfand Stress-Expertin Dr. Herzog die Doppelbelastung aus Kindererziehung und Facharztausbildung nicht als solche. Vielmehr habe ihr die Familiengründung zur Gewinnung von Klarheit und einer gewissen Gelassenheit verholfen: “Mir  hat die Beschäftigung mit diesen Themen sicherlich viel Grübelei über die Klinik erspart und den einen oder anderen Ärger früher verpuffen lassen, da nicht so viel Platz für ihn in meinem Alltag war. Zusätzlich empfand ich die Zeit in der Klinik durch die Teilzeit auch nicht ganz so belastend wie die meisten meiner Kollegen, die einfach einen FA machen wollten, damit sie ‘es rumhaben’”. Als Assistenzärztin und Mutter in Teilzeit zu arbeiten, kann also wesentlich dazu beitragen, dass Sie Ihren Berufsalltag als weniger belastend empfinden.

Resilienz in alle Richtungen

Assistenzärztin und Mutter zu sein, stellen für sich jeweils keine separaten Bereiche dar. Beide Rollen beeinflussen sich gegenseitig, wie Frau Dr. Herzog schon früh bemerkte: “Wahnsinnig interessant auf diesem Weg empfand ich, dass es häufig die andere Seite war, die mich auf einem Gebiet weitergebracht hat. Ein kleines Beispiel: Unser Sohn lag für drei Wochen nach der Geburt auf der Intensivstation – diese Zeit hat mich privat sehr bewegt. Und doch hat diese Erfahrung mir auch viel für meine ärztliche Arbeit gegeben. Mein Umgang mit Patienten-Angehörigen hat sich daraufhin sehr verändert. Ich bin seither sehr viel sensibler, nehme mir Zeit, erkläre gerne, höre zu, bin da.

Andersherum kann auch das Familienleben vom Arzt sein und dem Klinikalltag profitieren. Wer so manches Mal in der Assistenzarztzeit überfordert war, weiß, was Stress bedeutet. “Somit bringt mich der Anruf, dass mein Mann beim Kindergeburtstag mit zehn Jungs, zwei Hunden, Lagerfeuer und Co nicht dabei sein kann, nicht mehr aus der Ruhe”, stellt Chirurgin Dr. Herzog amüsiert fest. 24-Stunden-Dienste, die ärztliche Rufbereitschaft und eine hohe Arbeitsintensität haben sie gelehrt: “Alles geht rum.

Dabei sei der Gegenwind auch ein ums andere Mal von außen gekommen, wie Stress-Expertin Dr. Herzog zugibt: “Eine Mutter von vier Kindern geht arbeiten? Wer macht den Haushalt? Dein Kind ist krank und du bist in der Klinik? Kinder brauchen ihre Mutter – Väter können so was nicht! Die Kinder sind zu klein für den Kindergarten. Dann schicke ich den Kollegen XY zu dem Kongress, sie können ja nicht, sie haben Kinder. Das sind alles Sätze, die ich immer wieder in den letzten zehn Jahren gehört habe.” Aber die besondere Situation habe sie und ihren Partner resilienter gemacht. Der anfängliche Ärger sei irgendwann dem Selbstvertrauen gewichen: “Zu guter Letzt bin ich auch etwas stolz, mit alten Mustern und Rollenbildern aufräumen zu können.

Was sie heute anders machen würde

Wenn man während der Facharztausbildung vier Kinder bekommt, dann wird nicht alles rund laufen. Auch Frau Dr. Herzog würde heute ein paar Dinge anders machen: “Mit dem Wissen von heute würde ich meine Ziele, Stärken, Wünsche viel früher herausarbeiten und kommunizieren und dafür einstehen. Man kann den Facharzt auf 2.342 Arten erreichen. Das muss nicht der harte Weg in der Klinik sein.” In der Tat kenne ich viele Mediziner, die ihren Facharzt zum Beispiel in der Praxis machen. Dort genießen sie Privilegien wie planbare Arbeitszeiten und können einem Arztberuf ohne Dienste nachgehen.

Coaching für Ärzte

Foto von Niels C. Fleischhauer

Des Weiteren würde sich Chirurgin Dr. Herzog mittlerweile “nicht mehr so lange hinhalten lassen. ‘Gefangen’ in der Klinik, glaubt man sehr, sehr lange, dass nur dieser Weg in dieser Abteilung der einzig richtige Weg ist und jeder Wechsel einen zurückwirft. Heute weiß ich: Jeder Abteilungs- und oder Arbeitsstellenwechsel hat mich so vorangebracht.” Auch meine Empfehlung an Sie ist: handeln statt abwarten. Von alleine wird es nicht besser. Sie sollten sich aktiv auf die Suche nach einem Arbeitgeber begeben, der Sie und Ihre Wünsche respektiert. Wir helfen Ihnen übrigens gerne dabei.

Auch das Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen von Stress-Expertin Dr. Herzog habe sich seit der Geburt ihrer Kinder verändert, wie sie anmerkt: “Acht Jahre lang glaubte ich, dass ich nichts einfordern darf. Mit Unterwürfigkeit und Dankbarkeit bin ich durch die Abteilung gehuscht. Mein Glaubenssatz war: Ich muss dankbar sein, dass man mir als Frau in Teilzeit hier in der Chirurgie eine Chance gibt.” Heute schüttele sie über diese vergangene Sichtweise nur noch mit dem Kopf. “Trotz oder wegen meiner Teilzeit habe ich meine Arbeit immer sehr strukturiert und effektiv gemacht. Ich hatte gelernt, sehr fokussiert  und strukturiert  zu arbeiten. Denn ich war mir der Situation, dass ich plötzlich vom Kindergarten angerufen werden kann, stets bewusst.

Nicht zuletzt sollten Sie sich klarmachen, dass Sie nicht alleine sind. Ich kenne viele Kolleginnen, die zugleich Assistenzärztin und Mutter sind. Diesen Umstand können Sie für sich nutzen. Frau Dr. Herzog rät Ärztinnen dazu, sich zu organisieren – etwa im Verein Die Chirurginnen. “Sie können Fragen in einem geschützten Raum stellen und niemand lacht. Das tut gut, bringt Ruhe rein und das Selbstwertgefühl steigt. Man sieht, dass alle nur mit Wasser kochen.

Assistenzärztin und Mutter – es lohnt sich

Einige Ärztinnen befürchten, ihren Kindern würde es während der Facharztausbildung an etwas fehlen – gar an mütterlicher Liebe. Chirurgin Dr. Herzog kann diese Ängste zwar nachvollziehen, hat jedoch als Teilzeit-Assistenzärztin gänzlich andere Erfahrungen gemacht: “Wir haben unseren Kindern immer unsere Motivation für unseren beruflichen Einsatz erklärt. Für sie war das all die Jahre nie ein Problem. Durch unsere vorgelebte Motivation und Stärke im Verfolgen unserer Ziele haben wir ihnen viel für ihren Weg mitgegeben. Sie sind im Vergleich zu Freunden, deren Mütter weniger gearbeitet haben, viel selbständiger und freier in ihren Denkmustern.

Folglich legt Stress-Expertin Dr. Herzog Kolleginnen ans Herz, sich nicht für eine Seite zu entscheiden. Verlangen Sie beides: Seien Sie Assistenzärztin und Mutter. Es lohne sich, als Ärztin bereits während der Facharztausbildung in Teilzeit Kinder zu bekommen. “Stressige Phasen gibt es immer im Leben, egal in welchem Beruf und auf welcher Position. Hierbei hilft, das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren: Wir haben als Ärztin und Mutter das wahnsinnige Geschenk, Menschen auf ihrem Weg begleiten zu dürfen, beschützen und prägen zu dürfen.

Einen familienfreundlichen Arbeitgeber finden

Chirurgin Dr. Herzog hat es vorgemacht: Mit den richtigen Glaubenssätzen und etwas Unterstützung können Sie als Ärztin schon während Ihrer Facharztausbildung Kinder bekommen und großziehen. Diese Entscheidung hat sie nie bereut – obwohl es sich bei der Chirurgie wahrlich nicht um eine familienfreundliche Facharztrichtung handelt. Auch Sie können eine solche Entscheidung treffen. Es liegt bei Ihnen.

Sie möchten als Assistenzärztin während der Facharztausbildung schwanger werden und Kinder bekommen; oder Sie sind bereits Assistenzärztin und Mutter? Dann unterstützen wir Sie gerne. Sie haben die Facharztprüfung bereits bestanden und planen Ihren weiteren Werdegang? Auch dann sind wir für Sie da. Nehmen Sie also Kontakt mit Ärzteglück auf. Wir wollen, dass Sie Ihren Arztberuf lieben. Beim Ärzteglück-Coaching finden Sie gemeinsam mit einer spezialisierten Kollegin heraus, wie auch Sie gerne beides – Assistenzärztin und Mutter – sein können. Am besten melden Sie sich möglichst zeitnah an; denn die wenigen freien Plätze sind üblicherweise schnell belegt.

Porträtfoto von Dr. Denise Julia Herzog
Dr. Denise Julia Herzog ist eine Fachärztin für Allgemeinchirurgie und Stress-Expertin aus Rheinland-Pfalz. Gemeinsam mit ihrem Partner hat sie während der Facharztausbildung vier glückliche Kinder großgezogen. Ihre Erfahrungen als schwangere Assistenzärztin und Mutter lässt sie inzwischen auch in ihr eigenes Unternehmen einfließen – damit Ärzte “sich an der Patientenseite wieder rundum wohl” fühlen.

FAQ – häufigste Fragen und Antworten

  1. Ist es unklug, während der Facharztausbildung Kinder zu bekommen?

    Nein, es spricht nichts dagegen, während der Facharztausbildung Kinder zu bekommen. Die Weiterbildung verlängert sich dadurch zwar meist; Modelle wie Teilzeit oder Elternzeit machen das möglich; aber in der Praxis zeigen viele Beispiele, dass beides gut kombinierbar ist.

  2. Ist es realistisch, Assistenzärztin und Mutter gleichzeitig zu sein?

    Ja, es ist realistisch, Assistenzärztin und Mutter gleichzeitig zu sein. Die Herausforderung ist hoch, aber lösbar. Unterstützung im privaten Umfeld ist entscheidend. In der Praxis gelingt die Kombination mit guter Organisation deutlich besser.

  3. Wie lässt sich die Facharztausbildung mit Kindern organisieren?

    Die Facharztausbildung lässt sich mit Kindern durch Teilzeitmodelle und flexible Arbeitszeiten organisieren. Auch individuelle Absprachen mit dem Arbeitgeber sind wichtig. Betreuungslösungen spielen eine zentrale Rolle. In der Praxis nutzen viele Ärztinnen mehrere Modelle parallel.

  4. Ist Teilzeit während der Facharztausbildung möglich?

    Ja, Teilzeit ist während der Facharztausbildung möglich. Die Weiterbildung dauert dadurch länger. Dafür entsteht mehr Zeit für die Familie. In der Praxis empfinden viele Ärztinnen diese Lösung als deutlich entlastend.

  5. Welche Rolle spielt die Kinderbetreuung?

    Die Kinderbetreuung ist ein zentraler Faktor. Ohne zuverlässige Betreuung wird die Kombination schwierig. Modelle wie Kita, Au-pair oder Großeltern sind entscheidend. In der Praxis zeigt sich, dass flexible Lösungen den größten Unterschied machen.

  6. Ist die Belastung als Ärztin mit Kindern besonders hoch?

    Ja, die Belastung ist hoch. Gleichzeitig wird sie oft anders wahrgenommen. Viele Ärztinnen berichten von mehr Klarheit und Struktur im Alltag. In der Praxis kann die Doppelrolle sogar zu mehr Gelassenheit führen.

  7. Beeinflussen Kinder die Karriere als Ärztin negativ?

    Nein, Kinder müssen die Karriere nicht negativ beeinflussen. Die Entwicklung verläuft oft anders als geplant. Es entstehen neue Perspektiven und Prioritäten. In der Praxis erreichen viele Ärztinnen ihren Facharzt trotz Familie erfolgreich.

  8. Kann man auch in familienfreundlicheren Strukturen arbeiten?

    Ja, es gibt familienfreundlichere Strukturen. Dazu zählen Praxen oder planbare Arbeitsmodelle. Ein Wechsel kann sinnvoll sein. In der Praxis entscheiden sich viele Ärztinnen bewusst für solche Alternativen.

  9. Was würden erfahrene Ärztinnen im Nachhinein anders machen?

    Erfahrene Ärztinnen würden ihre Ziele früher klar definieren. Sie würden Wünsche aktiver kommunizieren. Auch ein früherer Arbeitgeberwechsel wird häufig genannt. In der Praxis zeigt sich, dass aktives Handeln entscheidend ist.

  10. Woher stammen die Informationen und Erfahrungswerte in diesem Beitrag?

    Neben den im Text genannten Quellen stammen die Informationen und Erfahrungswerte von Niels C. Fleischhauer, dem Inhaber von Ärzteglück. Er hat im Rahmen von Coaching und Karriereberatung mehr als 500 Ärztinnen bei der Vereinbarkeit von Familie sowie Facharztausbildung begleitet.

Über den Autor

Autoren-Profilbild

Niels C. Fleischhauer (M.A.) hat Ärzteglück 2020 gegründet. Seine Expertise liegt auf den Gebieten Ärztevermittlung in die Schweiz, Coaching und Gründungs-, Praxis- sowie Unternehmensberatung für Ärzte. Er verfügt über den Abschluss Master of Arts im kommunikationswissenschaftlichen Bereich.

Weitere spannende Beiträge