Porträtfoto von Ärzte-Coach Astrid Schroeder
Niels C. Fleischhauer

Niels C. Fleischhauer

Innovative Arbeitszeitmodelle für Krankenhaus-Ärzte: Hier wollen auch Sie arbeiten

Was würden Ärzte nicht alles für geregelte Arbeitszeiten wie bei einem einfachen Schreibtischjob geben: jeden Morgen um 8 Uhr das Büro betreten, um 12 Uhr Mittagspause machen und pünktlich um 16:30 Uhr in den Feierabend verschwinden. Sehnen Sie sich auch danach? Dann wird Ihnen der folgende Beitrag Hoffnung machen.

Astrid Schroeder, Business-Coach für Ärztinnen und Organisationsberaterin für Kliniken, zeigt auf, welche innovativen Arbeitszeitmodelle es für Ärzte in Krankenhäusern gibt. Sie werden sehen, dass die Arbeitsbedingungen für Ärzte nicht überall so sind wie in Ihrem Hause. Zu guter Letzt erfahren Sie, wie Sie ein Krankenhaus finden, welches seinen Ärzten ein innovatives Arbeitszeitmodell bietet.

Schuften, bis der Arzt kommt

Arbeitszeitmodelle in Kliniken unterscheiden sich grundlegend von denen anderer Branchen: Ärzte werden in Krankenhäusern an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr benötigt. Zur Abdeckung des täglichen erforderlichen Personalbedarfs greifen Kliniken klassischerweise auf 8-Stunden-Dienste zurück. In Abteilungen, welche durchgängig besetzt sind – beispielsweise Intensivstationen –, gelten meist 12-Stunden-Schichten. Damit reizen Krankenhäuser bei Ärzten in Sachen Ruhezeit und maximaler Arbeitszeit bereits das Arbeitszeitgesetz weitestgehend aus.

Der Feierabend-Zeitpunkt ist das eine, aber die Situation vor Ort eine andere”, beschreibt Frau Schroeder die Misere der Mediziner. Befinde sich der Arzt “mitten in der OP, mitten in der Diagnostik, mitten im Notfallgeschehen”, so lasse dies keinen Arbeitsschluss zu. “Das führt dazu, dass trotz Tarifverträgen 45 Wochenstunden oder mehr Standard sind und bei fast jedem Zweiten die Überstunden dabei nach wie vor nicht angemessen dokumentiert werden”, merkt sie an. Auch 24-Stunden-Schichten stellen in vielen Bereichen eine Normalität dar.

Überlastung von Ärzten

Angesichts fehlender Ärzte und mangelnder Perspektiven bei der Personalplanung nehmen viele Kliniken bewusst die Überlastung ihrer ärztlichen Mitarbeiter in Kauf. Organisationsberaterin Schroeder bemängelt hier vor allem, “dass die Wochenenddienste für Ärzt*innen zwischen zwei Arbeitswochen geplant werden”; denn “die verbleibende freie Zeit am Wochenende reicht nicht aus, um als Erholungszeit wirksam zu sein.

Die Auswirkungen von derartigen Praktiken des Personalmanagements auf die Ärzte-Zufriedenheit finden sich regelhaft in immer neuen Studien – etwa vom Marburger Bund (externer Link), von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (externer Link) oder vom Hartmannbund (externer Link). Ärztliche Überlastung und übergroßer Stress bis zum Burn-out unter Assistenzärzten in Krankenhäusern – die Resultate lesen sich meist ähnlich. Auch Frau Schroeder bemerkt entsprechende Folgen häufig im eigenen Berufsalltag: “Meine KundInnen im Coaching berichten mir über große Belastungen durch mangelnde Erholungszeit bei mehr als 5-Tages-Dienst-Strecken, durch Unregelmäßigkeiten im Tag-/Nachtrhythmus sowie darüber hinaus durch die Tatsache, dass der Dienst selbst körperlich und psychisch anspruchsvoll und das Einflechten von Pausen in den Berufsalltag eine Kunstform ist.

Ärzteschaft erzwingt innovative Schichtdienstmodelle in Krankenhäusern

Obwohl in den letzten Jahren und Jahrzehnten zahlreiche Aktualisierungen im Arbeitszeitgesetz stattgefunden haben, sind die traditionellen Dienstmodelle einfach in die Jahre gekommen. Heute in 2021 ist unsere Welt eine andere als noch vor 50 Jahren”, stellt Business-Coach Schroeder fest. Frauen stellen mittlerweile die Mehrheit der jungen Ärzte und Medizinstudenten. Gleichzeitig wollen immer mehr männliche Assistenz- und Fachärzte Elternzeit nehmen und in Teilzeit arbeiten. “Das jahrzehntelange Selbstverständnis von Krankenhausärzt*innen, 60 Stunden und mehr pro Woche zu arbeiten, ist nicht mehr gängiger Maßstab.

Doch es ist ein Wandel sichtbar. Den Kliniken ist mittlerweile klar, dass sie es sind, welche sich um die ärztlichen Mitarbeiter zu bewerben haben. Frau Schroeder erkennt dies an innovativen Schichtdienstmodellen für Ärzte, welche sie gemeinsam mit Krankenhäusern entwickelt hat: Zur ganztägigen Besetzung einer einzigen Arztstelle in der Notaufnahme “benötigen Sie mit Urlaub, Vertretung, etc. knapp sechs Vollzeitkräfte. Dann haben Sie aber einen Rahmen, in dem Sie auf individuelle Wünsche eingehen können und ausreichend Erholungszeiten ermöglichen.” In vielen Einrichtungen gebe “es teilweise sehr intelligente Konzepte für Hausdienste, Zwischendienste oder für einzelne Abteilungen oder Positionen (z. B. Jobsharing oder versetzten Dienstbeginn im Tagdienst).

Lösungsvorschläge für eine gemeinsame, glückliche Zukunft von Kliniken und Ärzten

Unter den Kunden von Frau Schroeder befinden sich Ärzte und Kliniken. Dementsprechend sieht sie sich als Mittlerin zwischen beiden Lagern. “Seit 20 Jahren jongliere ich mit sogenannten ‘Vollzeitkräften’ und wirke an Personalbedarfskalkulationen mit. Mitarbeiter*innen in Teilzeit bekommen in der Praxis weniger Rechte, Pflichten und Gestaltungsfreiheiten als 100%-Mitarbeiter*innen. Das führt auf beiden Seiten zu Unzufriedenheit”, beschreibt sie die Problematik. “So ist der Eindruck von Assistenzärzt*innen in Teilzeit z. B., dass sie schlechtere Chancen haben, ihre Weiterbildungskataloge abzuarbeiten und Ärzt*innen in Vollzeit beschweren sich häufig darüber, dass nur die Vollzeitmitarbeiter Zusatzaufgaben wie spezielle Beauftragungen und Projekte übernehmen, die zusätzlich Zeit und Engagement für das Krankenhaus erfordern.” Daher schlägt sie vor: “Das Erste, was ich machen würde, ist, den Begriff ‘Vollzeitkraft’ oder vergleichbare Begrifflichkeiten aus der Haus-Sprache zu entfernen und damit auch die Denkweise von ‘voll einzuplanen’ und ‘zum Teil einzuplanen’ über Bord zu werfen. Arbeitsverträge sind Arbeitsverträge und alle Mitarbeiter*innen sind vollwertig – egal, wie viele Stunden” sie absolvieren.

Laut der Organisationsberaterin “gleicht die Erstellung eines Dienstplans mit vielen unterschiedlichen Arbeitsverträgen, Dienstzeiten und Verfügbarkeiten einem anspruchsvollen Tetris-Spiel”. Große Stücke setzt sie deswegen auf den technologischen Fortschritt – insbesondere auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz: “Ich denke, dass Dienstpläne in zehn Jahren nicht mehr auf Papier oder in Excel geplant werden.

Weiterhin fordert Frau Schroeder mehr Flexibilität von Kliniken bei der Dienstplanung. Klar, die Wunschzeit von 8 Uhr bis 12 Uhr werden nicht alle zugleich bekommen; denn Patienten können in der Notaufnahme schließlich jederzeit eintreffen; “aber ich denke, dass Arbeitgeber wie Arbeitnehmer erstaunt wären, wie attraktiv alternative Arbeitszeit-Angebote für Mitarbeiter*innen sein können, die es so z. B. schaffen, ohne zusätzliche externe Betreuungsmöglichkeiten für die eigenen Kinder auszukommen”. Selbst ein 12-Stunden-Dienst könne auf diese Weise sogar deutlich attraktiver sein als drei Vormittage zu je vier Stunden.

Ein Krankenhaus mit einem innovativen Arbeitszeitmodell für Ärzte finden

Es gibt sie: die innovativen Arbeitszeitmodelle für Ärzte in Krankenhäusern. Auch wenn die praktische Arbeit in Kliniken der Dienstplanung ein paar Grenzen aufzeigt, so ist aber doch vieles machbar – wenn der Wille seitens der Klinikleitung da ist; und genau hier haben die meisten Einrichtungen noch erheblichen Nachholbedarf.

Business-Coach Schroeder rät Medizinern zu mehr Eigeninitiative: “Schauen Sie mal, ob es nicht doch eine clevere Lösung für Ihr individuelles Problem gibt! Für Ärzt*innen (zu Hause in Elternzeit oder mit Wunsch nach Reduktion) kann das bedeuten, sich mit einem Zeit-Angebot an den Arbeitgeber zu wenden, das vielleicht gar nicht dem Standard entspricht, aber in das eigene Leben passt.

Der Ball liegt nun bei Ihnen: Wollen Sie die Arbeitsbedingungen und das Schichtdienstmodell in Ihrem Krankenhaus weiter mittragen oder eine entscheidende Änderung in Ihrem (Arbeits-)Leben vollziehen? Für Frau Schroeder jedenfalls steht fest: “Innovative Arbeitskonzepte haben das Potenzial, die zentrale Antwort auf Ärztemangel, Arztgesundheit und gesellschaftliche Trends zum Leben und Arbeiten zu werden.

Ärzteglück unterstützt Sie auf Ihrem Weg. Sie wünschen sich geregelte Arbeitszeiten ohne Überstunden, eine Teilzeitbeschäftigung als Arzt im Krankenhaus oder eine bessere Work-Life-Balance ohne Dienste? Dann nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Wir wollen, dass Sie Ihren Arztberuf lieben. Gerne zeigen wir Ihnen, wo Sie Krankenhäuser mit innovativen Arbeitszeitmodellen für Ärzte finden.

Porträtfoto von Ärzte-Coach Astrid Schroeder
Astrid Schroeder ist Organisationsberaterin und Business-Coach für Ärztinnen. Sie unterstützt Kliniken bei der Entwicklung mitarbeiterfreundlicher Arbeitsbedingungen. Gleichzeitig berät sie Ärztinnen auf ihrem Karriereweg. Mehr über Frau Schroeder erfahren Sie auf ihrer Website www.wertklar.de (externer Link).

Über den Autor

Niels C. Fleischhauer

Niels C. Fleischhauer

Inhaber von Ärzteglück

Weitere spannende Beiträge

Ärzte sitzen an einem Tisch

Vorteile des ärztlichen Kollegialsystems

Krankenhäuser gehören klassischerweise noch zu den am stärksten hierarchisch geprägten Unternehmen in Deutschland. Doch die tradierten Führungsstrukturen befinden sich im Wandel. Insbesondere das Kollegialsystem wird

Weiterlesen